Rangun - In Burma ist ein Schriftsteller verhaftet worden, der in den Zeilen eines Liebesgedichts eine Protesterklärung gegen das Militärregime versteckt hatte. Der erste Buchstabe jeder Zeile ergibt den Satz: "General Than Shwe ist verrückt nach Macht" - Than Shwe steht seit 1992 an der Spitze der herrschenden Junta, die im September vergangenen Jahres friedliche Demonstrationen der Demokratiebewegung unter Führung des buddhistischen Klerus brutal niedergeschlagen hat.

Einen Tag nach der Veröffentlichung seines Gedichts "14. Februar" in dem Unterhaltungsmagazin "A Chit" wurde der Verfasser Saw Wai am Dienstag festgenommen, wie dessen Freunde und Autorenkollegen am Donnerstag mitteilten. Offenbar fanden die Leser des Gedichts, in dem es um die Liebe zu einem Model geht, recht schnell die versteckte Botschaft. Die Zeitschrift wurde daraufhin von den Behörden beschlagnahmt, wie Zeitungsverkäufer in Rangun mitteilten.

Der 74-jährige burmesische Juntachef soll von Astrologie besessen sein und sieht sich angeblich selbst als königliche Reinkarnation. Dem Regime werden schwerste Menschenrechtsverstöße zur Last gelegt, insbesondere Zwangsarbeit, Folter, brutale Verfolgung von ethnischen Minderheiten, Missbrauch von Kindersoldaten und Unterdrückung der Demokratiebewegung. Die Nationale Liga für Demokratie (NLD) unter Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hatte die Wahlen zu einer Verfassungsgebenden Nationalversammlung 1990 mit Vierfünftelmehrheit gewonnen, doch hatte das Militär die Machtübergabe verweigert und die Wahlen annulliert. (APA/AP)