Klosterneuburg - Mit einer ausschließlich aus eigenen Beständen gestalteten Retrospektive erweist die Sammlung Essl in Klosterneuburg dem im Vorjahr verstorbenen deutschen Maler Jörg Immendorff ihre Reverenz. Bei einem Pressegespräch am Donnerstag erläuterten Karlheinz Essl und Tayfun Belgin (Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen) im Vorfeld der Eröffnung am Abend einige Aspekte der Schau.

"Es ging immer um existenzielle Fragen, Small Talk konnte man mit ihm nicht führen", erinnerte sich Essl an zahlreiche Gespräche mit dem Künstler, der mit dem Klosterneuburger Sammlerehepaar befreundet war. Für Agnes und Karlheinz Essl entstand auch das großformatige Ölgemälde "In meinem Salon ist Österreich", das mit den die Entstehung dokumentierenden Zeichnungen und Aquarellen einen Schwerpunkt der Ausstellung "Jörg Immendorff - Was uns Malerei bedeuten kann" darstellt.

Alter-Ego-Affe

Belgin (bis November 2007 vier Jahre lang Direktor der Kunsthalle Krems) wies auf die ausgeprägte Symbolik im Werk Immendorffs hin - ein zentrales Motiv ist zum Beispiel der Affe als Alter Ego - und zitierte aus dem letzten Interview des Künstlers: "Ich glaube, man kann in diesem Beruf nur überleben, wenn man radikal gegen sich selbst ist". Radikal waren auch die gesellschaftspolitischen Vorstellungen des langjährigen Maoisten Immendorff, denen er zeitlebens treu blieb, auch wenn die Realität seinen Utopien nicht standhielt.

Arbeiten aus den letzten Lebensjahren thematisieren auf mythologisierende Weise Sterben und Tod, etwa im 2005 entstandenen Bild "Kampf der Zeit", wo im Hintergrund Immendorff selbst im Rollstuhl zu erkennen ist. In den beiden letzten, titellosen Werken findet sich der Künstler als Skelett abgebildet, einmal in Denkerpose inmitten einer wüstenhaften Landschaft, in der zwei Affen die Kunst zu Grabe tragen, einmal an einen Bar-Tresen gelehnt, vor sich am rechten Bildrand ein Gast, der Hitler ähnlich sieht und einen großen gefleckten Hund bei sich hat. (APA)