Wien - Am 8. Februar werden die Urteile im BAWAG-Prozess erwartet. Im Anschluss will der vom Skandal um seine frühere Bank ordentlich durchgebeutelte ÖGB eine Image-Kampagne starten und neue Mitglieder werben, kündigt ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer im Gespräch mit der APA an. Sein Defizit von heuer drei Millionen Euro will der Gewerkschaftsbund bis 2009 abbauen. Die Lehren aus dem BAWAG-Skandal habe man gezogen, versichert Hundstorfer: "Solche Fehlhandlungen wie in der Vergangenheit sind nach menschlichem Ermessen nicht mehr möglich."

Vor genau einem Jahr wurde Hundstorfer beim ÖGB-Kongress zum Nachfolger von Fritz Verzetnitsch an der Gewerkschafts-Spitze gewählt und zieht nun Bilanz: "Die wirtschaftliche Grundproblemzone ist beseitigt. Wir haben überlebt und die BAWAG verkauft, wir haben unsere Schulden zurückgezahlt und wir haben erstmalig einen wirklich liquiden Streikfonds." Auch seine sonstigen Beteiligungen habe der ÖGB weitgehend verkauft, die verbliebenen Immobilien will er "sukzessive verwerten".

Mitgliederschwund stoppen

Außerdem muss der ÖGB die laufenden Kosten drücken, weil er nach dem Wegfall der BAWAG-Dividende nun ausschließlich von den Mitgliedsbeiträgen (rund 190 Mio. Euro) leben muss. Heuer wird es laut Hundstorfer noch ein Defizit von rund drei Mio. Euro geben, im kommenden Jahr dann ein Nulldefizit. "Die Schwarze Null ist unsere Vorgabe für 2009", so der ÖGB-Präsident. Dazu werden unter anderem die Strukturen in den Ländern gestrafft - aus 90 Bezirken sollen bis Jahresende 47 Regionen werden - und die Zusatzpensionen für die Mitarbeiter bis März in eine Betriebspension umgewandelt.

Der starke Mitgliederschwund konnte laut Hundstorfer im Vorjahr gestoppt werden. Nach einem starken Rückgang um 40.000 Mitglieder im Jahr der BAWAG-Krise 2006 haben die Neuzugänge in den letzten Monaten 2007 die Abgänge ausgeglichen. Genaue Zahlen gibt es allerdings noch nicht. Hundstorfer rechnet auch in diesem Bereich mit einer "schwarzen Null", womit sich die Mitgliederzahl in etwa bei den 1,29 Millionen des Jahres 2006 eingependelt hätte.

Plakate und persönliche Auftritte

Für die Zeit nach dem BAWAG-Prozess plant der ÖGB eine Image-Kampagne. Dazu soll es sowohl Plakate als auch sehr viele persönliche Auftritte geben. "Wir müssen vor Ort präsenter sein" und das Erreichte besser verkaufen, sagt Hundstorfer. "Es soll primär eine Aktion sein, wo der ÖGB zum angreifen ist", betont der ÖGB-Präsident - mit dem Ziel: "Image verbessern, Mitglieder werben, da sein, ansprechbar sein."

Dazu sollen auch Regionalkonferenzen in den Bezirken dienen, bei denen auch die Mitglieder in die internen Entscheidungsprozesse eingebunden werden sollen. Die ersten derartigen Treffen sollen im Frühjahr in Niederösterreich über die Bühne gehen. Damit werde es nun nicht nur für die Betriebsräte, sondern auch für die einzelnen Mitglieder "eine stärkere Einbeziehung in den inneren Demokratisierungsprozess" geben. (APA)