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Hugh Hefner. Arbeitskleidung: Bademantel.

Foto: AP/Matt Sayles
Wie weit heruntergekommen das ehemals als emanzipatorisch begrüßte Musikfernsehen gekommen ist (die Idee von Pop als Gegenkonzept zum muffigen Spießertum und all das, wir erinnern uns), zeigt ein gelegentlicher Sicherheitscheck auf MTV und Viva.

Wenn dort nicht gerade der US-amerikanische Gangster-Rapper die allzeit bereiten Puppen und Uzis tanzen lässt oder über vermeintliche Schusswechsel in den HipHop-Ghettos von Berlin-Neukölln berichtet wird, kann man zum Beispiel während der Doku-Soap "The Girls Of The Playboy Mansion" fürs Leben und damit das Fürchten lernen.

Der rüstige Busenmagazin-Rentner Hugh Hefner führt dort regelmäßig vor, was es bedeutet, wenn ein mit allem vermeintlichem Wohlstand, den der Westen zu bieten hat, gesegneter Mann in seinen 80ern als chemisch hochgepumpter Lustgreis mit wasserstoffblonden Backfischen die freie Liebe nach Stundenplan exerziert. Arbeitskleidung: Bademantel. Bei einem Ausflug des Opas mit seinen Enkelinnen nach London kommen dann während einer Schifffahrt auf der Themse vorbei am Palace of Westminster auch zurück in die Steinzeit weisende Zitate wie dieses zustande: "Ich weiß zwar nicht, wer Parlament ist, aber ich habe ihm meinen Busen gezeigt."

Dagegen erweisen sich MTV-Dating-Shows mit Frauen mit Vergangenheit wie "Flavor Of Love" oder "I Love New York" als gesellschaftlich ungleich ehrlichere Unternehmungen. Immerhin geht es dort auf der Fleischbank darum, Ausgegrenzten die Chance auf ein bürgerliches Leben zu bieten. Wer das Gold hat, gibt die Befehle. Die Playboy Mansion hingegen kündet gutbürgerlich nur davon, dass alles seinen Preis hat. Selbst die Romantik. (schach/DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2008)