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Schwierige Partner nähern sich an: Afghanistans Staatschef Karsai (li.) und sein pakistanischer Amtskollege Musharraf in Davos. Pakistan unternehme nicht genug gegen die Taliban, heißt es regelmäßig aus Kabul.

Foto: Getty Images/ Jeff J Mitchell
Die Spitzen von Pakistan, Afghanistan und dem Irak waren sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos einig: Der Terrorismus lässt sich nicht nur militärisch bekämpfen. Ein besserer Lebensstandard gräbt den Extremisten das Wasser ab.

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Zum Auftakt reichten sie sich die Hand: Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf und sein Amtskollege aus Afghanistan, Hamid Karsai, vertraten am Donnerstag bei einer Veranstaltung beim Weltwirtschaftsforum in Davos auch sonst häufiger gemeinsame Ansichten: Beide betonten, dass Extremismus und Terrorismus nicht nur militärisch bekämpft werden könnten.

„Wir müssen Al-Kaida eliminieren. Dafür ist ein militärisches und ein politisches Element notwendig“, sagte Musharraf. Karsai antwortete auf die Frage, ob er zustimme, nur kurz und bündig: „Das ist wahr.“ Auch der irakische Vizepremierminister Barham Salih stimmte zu. „Die Lehre für 2008 ist: Militär allein reicht nicht aus, um ein Land aufzubauen. Wenn wir das Spiel um die Sicherheit gewinnen wollen, dann müssen wir das mithilfe der Politik schaffen.“

Durch eine Verbesserung des Lebensstandards könne verhindert werden, dass junge Menschen für Selbstmordanschläge angeworben werden. „Die meisten stammen aus armen Verhältnissen, sind Analphabeten. Sie glauben, dass sie VIPs im Himmel werden“, sagte Musharraf. „Terrorismus ist zu einem Geschäft geworden“, meinte der afghanische Präsident. Der irakische Vizeregierungschef verwies darauf, dass sein Land „einen Tornado von Terror“ erlebe.

Nur wenige Religionsführer würden sich dagegenstellen. Er forderte alle politischen und religiösen Führer „in der islamischen Welt und darüber hinaus“ auf, aufzustehen und den Terrorismus anzuprangern. Musharraf kündigte auch an, dass die Grenzen zu Afghanistan strenger kontrolliert würden, damit die Taliban – „das sind auch unsere eigenen Landsleute“ – nicht mehr frei zwischen den beiden Staaten pendeln.

Musharraf versprach zudem faire und transparente Wahlen in seinem Land Mitte Februar. Nach der Ermordung von Benazir Bhutto sei das bei dem ursprünglich angepeilten Wahltermin im Jänner nicht gewährleistet gewesen. Er kündigte an, mit jedem, der Premier werde, zusammenzuarbeiten. Vehement forderte er mehrfach, sein Land nicht an „westlichen und unrealistischen Vorstellungen von Demokratie und Menschenrechten“ zu messen, sondern „mit pakistanischen Augen“ zu sehen.

Der irakische Vizepremier sagte auf eine Frage aus dem Publikum, wann die US-Soldaten abziehen würden: „Die Mehrheit der Iraker wollen keine ausländischen Soldaten auf ihrem Territorium. Die Mehrheit der Amerikaner wollen ihre Soldaten zuhause sehen.“ Derzeit seien zwar schon 560.000 irakische Sicherheitskräfte aktiv, aber „für eine Weile“ brauche man noch die „unterstützende Rolle“ der US-Truppen. Doch zum ersten Mal nach langer Zeit könne man im Irak „wieder optimistisch sein“. (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos/DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2008)