Wien - Wahrscheinlich hat es die Aufregung gebraucht um ein mancherorts auch "Blutlabor" oder "Blutbank" genanntes Plasmaspendezentrum in Wien. Die Aufregung um Georg Totschnig, der mancherorts immer wieder und bis dato unbewiesenerweise als "Kunde" des "Labors" bezeichnet und von der Ex-Schwimmerin und nunmehrigen SPÖ-Politikerin Vera Lischka aufgefordert wurde, als "Kronzeuge" aufzutreten. Jener Vera Lischka, die unter dem im DDR-Dopingprozess geständigen und verurteilten Trainer Rolf Gläser in die Weltklasse aufgestiegen war.

Am Donnerstag haben sich Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky und Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka auf Verschärfungen im Arzneimittelgesetz geeinigt, ganz ohne Hickhack, man gehört schließlich ein und derselben Partei an. Freilich geht Lopatka davon aus, dass "zumindest auch die SPÖ zustimmt", schließlich hatte sich deren Abgeordneter Johann Maier ebenfalls für verschärfte Straftatbestände stark gemacht.

Ärzte oder Betreuer, die Dopingmethoden anwenden oder Dopingmittel besitzen, können nach dem Kdolsky-Lopatka-Entwurf künftig strafrechtlich verfolgt werden. Ihnen drohen sechs Monate, in schweren Fällen drei Jahre Haft. Schwere Fälle heißt, dass Leib und Leben gefährdet wurden oder Jugendliche betroffen waren. Dopingmittel umfasst "Stoffe, die zur Verwendung bei verbotenen Dopingmethoden bestimmt sind", inkludiert also auch beispielsweise manipuliertes Blut, das per se bis dato nicht als Dopingmittel definiert war.

Auch für Sportler soll sich einiges ändern. Ihre Bestrafung ist im Antidopinggesetz mit all den sportrechtlichen Folgen wie etwa einer Sperre geregelt. Doch darüber hinaus wird ein falsch aussagender Sportler, dem bis dato nur ein Verwaltungsverfahren drohte, bald wohl auch strafrechtlich belangt. "Dann kann ihm passieren, was Marion Jones passiert ist", sagt Lopatka. Die US-Sprinterin war kürzlich wegen Meineids zu sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Kdolsky sieht "den Anti-Doping-Kampf auch im Hobby- und Freizeitsport verstärkt". Der Entwurf soll bis 1. Juli gesetzlich festgeschrieben sein. Dann nimmt die nationale Antidoping-Agentur Nada ihre Arbeit auf, sie wird laut Lopatka über "schärfere Waffen" verfügen. Wieso all das nicht früher passiert ist? Lopatka betont, er selbst sei "stets für ein schärferes Gesetz eingetreten, aber Manches braucht seine Zeit" - von deren vielen Töchtern eine die Aufregung ist. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 25.01.2007)