Seit dem zweiten Weltkrieg hat kein Konflikt auf dieser Erde mehr Menschenleben gekostet als der Krieg im Kongo. 5,4 Millionen sind laut dem International Rescue Committee seit 1998 gestorben und das, obwohl schon seit 2003 Waffenstillstand herrscht. Die meisten sterben dabei nicht direkt im Gewehrfeuer zwischen den Milizen und der Armee in der Region Kivu, aber sie überleben die Folgen des Kriegs nicht: den Nahrungsmangel; die Krankheiten, wobei die meisten vermeidbar sind; die Unmöglichkeit, nach der Flucht wieder ein Leben aufzubauen, und die psychischen Traumatisierungen. 800.000 Menschen sind vor den Überfällen des Tutsi-Rebellen-Generals Laurent Nkunda, der seine Truppen zu Massenvergewaltigungen losschickte, auf der Flucht.

Ob seine Unterschrift unter den jüngsten Friedensvertrag etwas wert ist, ist fraglich. Für Nkunda macht der Frieden nur Sinn, wenn er wirklich davon profitiert, und zwar mindestens so viel wie bisher vom Krieg. Und der hat ihn mächtig gemacht. Der Krieg im Kongo ist aber auch ein Erbe des Genozids in Ruanda. Nkunda rechtfertigt seine Attacken damit, dass er die Tutsi vor den aus Ruanda geflohenen Hutu-Milizen beschützen muss. Die EU hat nun 150 Millionen Dollar für die Umsetzung des Abkommens versprochen. Das Geld ist mehr als sinnvoll eingesetzt. Denn laut der britischen Hilfsorganisation Oxfam haben in den vergangen zwanzig Jahren die Kriege in Afrika gleich viel Geld gekostet, wie Hilfe aus dem Ausland gezahlt wurde.

Jedenfalls muss der politische Druck aufrechterhalten bleiben. Denn der Friedensvertrag kam nur zustande, weil Präsident Joseph Kabila nicht nur seinen Wählern im Osten im Wort steht, sondern auch weil die USA und die Europäer Resultate einforderten. Im Dezember war zudem klargeworden, dass die kongolesische Armee nicht in der Lage ist, Nkunda zu besiegen, und dass eine politische Lösung notwendig ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2008)