Robert Reich: "Superkapitalismus". Campus 2008, Euro 25,60

Vielen derzeitigen Erklärungsmustern kann Robert Reich wenig abgewinnen: Unternehmen seien nun mal profitorientierte Unternehmen und keine sozialen Einrichtungen, meint der ehemalige Arbeitsminister unter US-Präsident Bill Clinton. Im Gegenteil, die Zwänge der Konzerne seien stärker denn je zuvor:

Die an Geiz-ist-geil orientierten Konsumenten griffen nur zum billigsten Produkt und ließen teurere Waren, die eventuell unter sozialeren und/oder umweltgerechteren Umständen produziert wurden, links liegen. Außerdem seien praktisch alle (US-)Konsumenten mittlerweile über Aktienbesitz und Pensionsfonds am Shareholder Value ihrer Firmenengagements interessiert.

Während also in Stammtischdiskussionen ethisches Wirtschaften gefordert werde, würden Konsumenten möglichst billig einkaufen und ihren Aktienbesitz ständig auf höchstmögliche Profitabilität prüfen. Den sich intensiv konkurrenzierenden Firmen bliebe gar nichts anderes übrig, als jeden möglichen Kostenvorteil auszunutzen.

Dieses Spannungsfeld nennt Reich "Superkapitalismus". Eine supervernetzte Wirtschaftsform, die mehr und mehr beginne, ihre Spielregeln selbst festzulegen. Und zwar mithilfe einer riesigen Lobbyingmaschinerie, die sich in Washington und Brüssel ausschließlich damit beschäftige, die vorteilhaftesten Regelungen für die eigene Branche zu erreichen. Auf der Strecke bleiben demokratische Strukturen und Arbeitnehmerinteressen. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.1.2008)