ORF-Generaldirektor Wrabetz hat sich nach der Ablehnung der Gebührenerhöhung durch den ORF-Publikumsrat zuversichtlich gezeigt, dass der Stiftungsrat am kommenden Samstag bei seiner Meinung bleibt. Das Gremium kann durch einen Beharrungsbeschluss die bereits im Dezember beschlossene Erhöhung endgültig fixieren.

Die Enttäuschung über das Abstimmungsergebnis im Publikumsrat war zwar merklich, dennoch gab sich Wrabetz zufrieden, dass grundsätzlich Einigkeit in der Frage der Inflationsanpassung und der Refundierung von Gebührenbefreiungen bestanden habe. Quer durch die Parteigräben hatte man darauf hingewiesen, dass die Sendeanstalt durch die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Befreiungen rund 50 Millionen Euro verliere.

ORF-Chef will Rücklagen schonen

Wenig hält der ORF-General von der ebenfalls vorgeschlagenen Auflösung von Reserven, bevor man eine Erhöhung der Gebühren in Angriff nimmt. "Das Unternehmen ist grundsolide aufgestellt", so Wrabetz. Die Rücklagen brauche man aber, da der Sender mehr als andere öffentlich-rechtliche den internationalen Finanz- und Werbemärkten ausgesetzt sei. "Der Verkauf von Familiensilber ist noch nie gut gegangen", so der ORF-Chef. Wie Franz Medwenitsch Leiter des ÖVP-"Freundeskreises" im Stiftungsrat in der Publikumsratssitzung vorgerechnet hatte, verfüge der ORF über Reserven in der Höhe von 80 bis 90 Mio. Euro.

Der ORF schreibt laut Wrabetz im laufenden Jahr ein Minus von 27 Mio. Euro im EGT. Zur laufenden EU-Prüfung wollte sich der ORF-Chef nur insofern äußern, dass auch die EU erkennen werde, dass der Sender "strukturell unterfinanziert" sei. (APA)