Verborgenen Schätzen in Buchrücken auf der Spur ist das Forschungsprojekt "Hebräische Handschriften und Fragmente in österreichischen Bibliotheken". Bis dato seien mehr als 2000 Fragmente entdeckt worden, sagte kürzlich Martha Keil, Direktorin des Instituts für jüdische Geschichte in Österreich.

Zahlreiche mittelalterliche hebräische Handschriften gelangten im Zuge von Judenverfolgungen und Vertreibungen über Händler als "Recyclingpapier" in verschiedene Bibliotheken. Dort wurden sie zur Verstärkung von Buchrücken und Einbänden, als Vorsatz- und Nachsatzblätter sowie als Falze in anderen, damals neugebundenen Büchern verwendet.

Wertvolle Zeugen

Die Texte auf den Pergamentfragmenten seien wertvolle Zeugen für die Erforschung der jüdischen Geschichte in Österreich, betonte Keil. Ein Großteil der Funde stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert, einer Zeit, in der ein Großteil der jüdischen Gemeinden in Wien und Niederösterreich durch Ermordung und Vertreibung ausgelöscht wurde. In 52 Beständen wurden bis jetzt mehr als 2000 Fragmente entdeckt und mehr als 900 bereits wissenschaftlich ausgewertet und publiziert.

40 Prozent der Texte sind Fragmente des Tanach (der jüdischen Bibel) oder von Bibelkommentaren, davon wieder 75 Prozent Toratexte. Bei weiteren 40 Prozent handelt es sich um Fragmente aus dem Talmud sowie des Midrasch (Auslegung). Jeweils zehn Prozent der Fragmente sind liturgische Texte und Urkunden.

Das Institut für jüdische Geschichte, laut Homepage "nicht zufällig" im "Bedenkjahr" 1988 gegründet, begeht heuer sein 20-jähriges Bestehen. Sitz der Einrichtung ist die ehemalige Synagoge in der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten.

Aufgabe des Instituts ist die Erforschung der Geschichte der Juden in Österreich vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Anliegen ist es auch, durch Publikationen, Veranstaltungen und Mitwirkung an Erwachsenenbildung und Schulprojekten Fehlinformationen entgegenzuwirken. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2008)