Nürnberg - Der milde Winter und die gute Konjunktur haben in Deutschland den zu Jahresanfang üblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit gedämpft. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, nahm die Zahl der Menschen ohne Job im Jänner im Vergleich zum Vormonat um 253.000 auf 3,659 Millionen zu. Es war die niedrigste Arbeitslosenzahl in diesem Monat seit 1993. Im Durchschnitt der vergangenen beiden Jahre habe der Anstieg 341.000 betragen, erklärte der Vorstandsvorsitzende der BA, Frank-Jürgen Weise. Verglichen mit Jänner 2007 ging die Arbeitslosigkeit um 625.000 zurück.

"Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt setzt sich fort", fasste Weise zusammen. Hauptgründe seien die robuste Konjunktur und das milde Wetter. Auch das Saison- und Kurzarbeitergeld für Mitarbeiter am Bau dürfte eine Rolle gespielt haben. Nach den Worten von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker nahmen 2007 im Jänner etwa 90.000 Bauarbeiter das Saison-Kurzarbeitergeld in Anspruch, um nicht arbeitslos gemeldet zu sein. Im Februar und März waren es jeweils 100.000. "Wenn sich der Winter weiter so wie 2007 entwickelt, sollte diese Größenordnung auch für dieses Jahr gelten", erklärte Becker.

Trotz Finanzkrise in den USA, steigenden Ölpreisen und schwächelndem US-Dollar bleibt die BA für das Gesamtjahr bei ihrer Prognose von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit im Durchschnitt um etwa 300.000 auf 3,5 Millionen. "Wir verspüren keine Anzeichen, dass die Konjunktur nachlässt", betonte Weise. Eine neue Prognose werde die BA erst zur Jahresmitte vorlegen, wenn neuere Konjunkturdaten vorlägen.

Beschäftigung steigt

Die Zahl der Erwerbstätigen stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 596.000 auf 40,15 Millionen. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erhöhte sich weiter: Sie lag im November nach Hochrechnungen der BA bei 27,46 Millionen und damit um 545.000 höher als im Vorjahr. Knapp die Hälfte der neuen Stellen sind Vollzeitjobs. Aktuellere Daten liegen nicht vor.

"Die Stellennachfrage bleibt auf hohem Niveau", erklärte Weise. Der im Dezember nur geringe Anstieg des Stellenindex BA-X um lediglich drei auf 246 Punkte zeige jedoch, dass die Nachfrage nicht mehr weiter wachse. So sei inzwischen ein hohes Niveau erreicht worden, das gehalten werde.

Gefragt waren im Jänner nach BA-Angaben erneut vor allem Verkäufer und Warenkaufleute, für die bei der Behörde 22.000 Jobangebote vorlagen. Ebenfalls hoch im Kurs standen weiterhin Elektriker (21.000), Werbe- und Dienstleistungskaufleute sowie Bürofachkräfte mit jeweils plus 18.000 Vakanzen. Erstmals tauchten in der Liste der Top Ten auch Ingenieure verschiedenster Fachrichtungen auf, für die 11.000 offenen Stellen gezählt wurden. Insgesamt standen der BA im Jänner 933.000 Stellen zur Vermittlung zur Verfügung. Das sind 131.000 mehr als im Vorjahr. (APA/AP)