Wissenschaftsminister Johannes Hahns Vorschlag zum Teilzeitstudium steht die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) positiv gegenüber. "Das wäre eine Entlastung für jene Studierenden, die berufstätig sind", erklärt ÖH-Vorsitzender Hartwig Brandl im Gespräch mit derStandard.at. "Jene, die sich zu Beginn des Semesters für ein Teilzeitstudium entscheiden, könnten Lehrveranstaltungen im Umfang von 15 ECTS-Punkten absolvieren. Ein Vollzeitstudium würde 30 ECTS-Punkte entsprechen", so Brandl.

Rektoren wollen Umstellung

Auch die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) befürwortet den Vorschlag prinzipiell. Statt der "simplen Lösung halbe Studienbeiträge für die Hälfte der Prüfungen" wünscht sich die uniko jedoch eine tatsächliche Systemumstellung der Universitätsfinanzierung. So sollte die Bezahlung der Studienbeiträge an die Anzahl der absolvierten Lehrveranstaltungen beziehungsweise an das Leistungspunktesystem (ECTS) geknüpft werden. Studierende, die weniger in Anspruch nehmen, sollten daher auch weniger bezahlen als jene, die mehr in Anspruch nehmen, heißt es in einer Aussendung.

ÖH: Rektoren-Vorschlag hat Potenzial, Gebühren massiv zu erhöhen

Den Rektoren-Vorschlag lehnt die ÖH ab. "Leute, die schneller studieren würde man mit diesem Modell bestrafen. Zudem hat es das Potenzial, die Studiengebühren mittelfristig massiv zu erhöhen", kritisiert Brandl. Würden die Universitäten pro Prüfung kassieren, wäre ein Anreiz geschaffen, um für höhere Durchfallsquoten bei den Prüfungen zu sorgen.

Broukal: Vorschlag geht auf Kosten der Unis

"Ich freue mich, dass Wissenschaftsminister Hahn auch langjährige Vorschläge der SPÖ umsetzt", erklärt Josef Broukal, SPÖ-Wissenschaftssprecher, in einer Aussendung. Leider ginge Hahns Modell jedoch auf Kosten der Universitäten, so Broukal. "Denn das fehlende Geld sollen nach Hahns Ideen die Universitäten einsparen. Allein an der Uni Wien werden das rund sieben Millionen Euro sein", kritisiert Broukal. Für die Universitäten ist sei es keinesfalls annehmbar, dass der nach den Vorschlägen Ministeriums entstehende Einnahmenausfall nicht ausgeglichen wird, heißt es diesbezüglich von der uniko.

Gewerkschaftsjugend: Studiengebühren abschaffen

"Das Modell Teilzeitstudium ist eine vermeintlich einfache Lösung für komplexe strukturelle Probleme", kritisert Michael Wissgott, DoktorantInnenvertreter in Gespräch mit derStandard.at. Silvia Fuhrmann, Bundesobfrau der Jungen ÖVP sieht im Teilzeitstudium Vorteile: "So könnten Universitäten effizienter planen, da Studierende nur eine bestimmte Anzahl von Lehrveranstaltungen besuchen dürfen, und somit Ressourcen frei werden würden", teilt sie via Aussendung mit. "Die Halbierung der Studiengebühren für Berufstätige ist ein wichtiger Schritt, aber das Ziel muss die komplette Abschaffung bleiben", sagt Jürgen Michlmayr, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend. (red/derStandard.at/31. Jänner 2008)