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Foto: APA/dpa/Marcus Führer
Sucht ist nicht nur Sucht allein. Alkoholkranke Mensch merken es spätestens dann, wenn plötzlich nicht nur mit, sondern vor allem ohne Alkohol Probleme auftauchen.

Zittern und schlaflose Nächte

Zittern, schlaflose Nächte, Schweißausbrüche und die berühmten weißen Mäuse - 15 Prozent aller Alkoholiker haben mit den Symptomen eines Alkoholdelirs bereits Bekanntschaft gemacht. Das Delirium tremens ist die klassische Folge eines Alkoholentzugs. Abstinenz als Auslöser einer neurologischen Störung, die gerne verharmlost wird.

Symptome werden nicht ernst genommen

Warum selbst beängstigende Halluzinationen nicht immer ernst genommen werden, ist durchaus nachvollziehbar: In vielen Fällen klingen die Symptome innerhalb einer Woche von selbst wieder ab. Wird frühzeitig Alkohol getrunken, sogar schon eher. "Das Delir ist ein medizinischer Notfall, der unbehandelt in 20-30 Prozent der Fälle tödlich endet", bemüht sich Albert Wuschitz, niedergelassener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in Wien, um mehr Aufmerksamkeit für diese Erkrankung. Seiner Meinung nach müsse diese unbedingt stationär behandelt werden.

Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen

Elektrolytentgleisungen, wie der Verlust von Kalium, können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen verursachen und ganz nebenbei treten in solchen Krisen gehäuft epileptische Anfälle auf. Lebensgefährliche Verletzungen im Anfall sind dabei keine Seltenheit. Die gute Nachricht bis jetzt: Das alles lässt sich therapieren, ohne dass zwangsläufig neurologischen Schäden zurückbleiben. Um die Gefahr der epileptischen Anfälle einzudämmen, wird die Krampfschwelle prophylaktisch mit Medikamenten angehoben.

Demenzähnliches Wernicke-Korsakow-Syndrom

Bedauerlicherweise ist das noch nicht das Ende der Geschichte. Im Gegenteil das Drama beginnt erst und es endet nicht selten mit der Frühpensionierung alkoholkranker Menschen. Aus dem Delir entwickeln 5 Prozent der Betroffenen ein Wernicke-Korsakow-Syndrom, eine Erkrankung die, einer klassischen Demenz nicht unähnlich ist.

Alkoholbedingter Vitamin B1-Mangel

Zu Grunde liegt ein alkoholbedingter Vitamin B1-Mangel, der irreversible Schäden im Gehirn erzeugt. Die Hirnleistungsfähigkeit ist massiv eingeschränkt, Gangstörungen und Desorientiertheit nehmen zu, das Erinnerungsvermögen ab. Die Gedächtnislücken füllen die Alkoholkranken mit Konfabulationen aus, Geschichten die ihnen spontan einfallen und die mit der Realität rein gar nichts mehr zu tun haben. Hilfe verspricht nur die rechtzeitige Gabe von Vitamin B1.

Gang- und Sprachstörungen

"Bei 10 Prozent aller Alkoholkranken beginnt das Kleinhirn nach dem Delir zu schrumpfen", ergänzt Wuschitz noch fehlende neurologische Störungen, die ebenfalls dem Alkohol zu verdanken sind. Die Ursache dafür ist noch nicht geklärt. Klinisch bieten die Betroffenen auffällige Gang- und Sprachstörungen.

Obwohl kein Zusammenhang zwischen dem Vitaminmangel und dem Kleinhirnschwund nachgewiesen werden konnte, wird den Patienten trotzdem gerne Vitamin B1 verabreicht. Was erstaunlicherweise manchmal noch helfen kann: Unter Alkoholkarenz kann sich auch eine nachgewiesene Kleinhirnveränderung noch zurückbilden.

Langzeitschädigung des Gehirns

"Für viele ist das Delir ein großer Schock und der beste Anlass mit einer Entzugsbehandlung zu beginnen", berichtet Wuschitz und wünscht sich, dass Patienten und Angehörige realisieren, dass das Delir die Folge einer Langzeitschädigung des Gehirns durch den Alkohol ist. Auf diejenigen, die es nicht schaffen in einer Einrichtung für alkoholkranke Menschen ihrer Sucht ein Ende zu bereiten, wartet nämlich leider die Chance auf das nächste Delir und ein bis zu zwanzig Jahre kürzeres Leben. (phr)