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REUTERS/Benoit Tessier
Es ist einer der größten Skandale in der Geschichte des Bankwesens. Liest man die Schlagzeilen der vergangenen Tage und Wochen, lässt sich erahnen, welches Ausmaß der Societe-General-Betrug mittlerweile angenommen hat:

- "Societe-General-Aktien eröffnen fast vier Prozent im Minus" (24-01-08 / 12:20)

- "Händler rätseln über Milliardenskandal bei Societe General" (24-01-08 / 14:58:04)

- "Regierung spricht bei Societe General von Krise" (29-01-08 / 10:15:33)

- "Gewerkschafter weisen nach SocGen-Skandal auf Suizide hin" (29-01-08 / 19:27:07)

- "Vorgesetzte müssen Bescheid gewusst haben" (30-01-08 / 06:03:30)

- "SocGen-Aufsichtsrat in Krisensitzung - Zukunft von Bankchef unklar" (30-01-08 / 14:03:00)

One-Man-Show

Im Zentrum des Skandals steht der Aktienhändler Jerome K. Er soll nach Angaben von SocGen illegale Geschäfte im Volumen von 50 Milliarden Euro gemacht und die Bank dabei um 4,82 Milliarden Euro gebracht haben. Verurteilt wurde der Manager bisher nicht, deswegen gilt für ihn die Unschuldsvermutung. Das Management der Bank hat nach eigenen Angaben bis vor wenigen Tagen nichts von den ungenehmigten Geschäften gewusst.

Als untergeordneter Mitarbeiter waren die Summen, die K. einsetzen konnte, begrenzt. Societe General erklärte allerdings, der 31-Jährige habe dank seiner Erfahrungen aus anderen Geschäftsbereichen der Bank das Wissen gehabt, die Sicherheitskontrollen zu umgehen. Vorwürfe, er habe sich auf Kosten der Bank bereichern wollen, wies er zurück. Er habe jedoch auf einen doppelt so hohen Jahresbonus für 2007 gehofft, wie die 300.000 Euro, die ihm angeboten worden seien.

Durchgeschleust

Das erstaunliche an den Ereignissen: K. hatte für die Umgehung der Sicherheitsmechanismen nicht mit besonderen Computerkenntnissen aufwarten müssen. Nach Berichten von InformationWeek genügte dazu lediglich der geschulte Umgang mit Microsofts Office und grundlegende Kenntnisse in Microsofts Visual Basic.

Die Programmiersprache soll er genutzt haben, um automatisierte Arbeitsabläufe für Tabellen einzurichten. Vermutungen besagen, er habe diese Funktionen genutzt, um Exceltabellen zu fälschen, die er dann seinen Vorgesetzten vorgelegt hatte. Zusätzlich soll er Zugangsdaten seiner Kollegen für die Erstellung fingierter Konten verwendet haben. Mit fiktiven Verlustgeschäften habe er, laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, sein Millionenspiel verschleiert.

Unbemerkt?

Letztlich hätten offiziell noch 55 Millionen Euro in den Büchern gestanden, berichtet Reuters. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Vorgesetzten das Geld nicht bemerkten, das ich einsetzte", sagte K. den Berichten zufolge. "Es war unmöglich solche Gewinne mit kleinen Positionen zu erreichen." Die dabei von ihm genutzten Techniken seien nicht kompliziert gewesen.

Den Aufzeichnungen der Ermittler zufolge machte K. ein systematisches Versagen von Computer- und Management-Kontrollen für seine Geschäfte verantwortlich, die der Bank zufolge zu einem Schaden von fast fünf Milliarden Euro führten. Ein Anwalt der Bank zweifelte die Aussagen K. an.

Folgen

Gegen K. wird wegen des Verdachts auf Vertrauensbruchs, der missbräuchlichen Verwendung von Computern und der Fälschung ermittelt. Bei einer Verurteilung drohen ihm drei Jahre Haft.

Die Bank selbst musste einen massiven Gewinneinbruch im vierten Quartal um 40 Prozent auf unter eine Milliarde Euro hinnehmen. Zurzeit kursieren Übernahmegerüchte seitens ausländischer Banken und der französischen BNP Paribas.

Eine Mitarbeiterorganisation kündigte rechtliche Schritte wegen Fahrlässigkeit gegen die SocGen an. Der Skandal habe finanzielle Auswirkungen auf die Angestellten, hieß es. Bei dem Institut arbeiten etwa 120.000 Menschen.

Insider

Die Staatsanwaltschaft verzichtet vorerst dagegen auf Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Ein Verwaltungsrat der Bank hatte wenige Tage vor Bekanntwerden der Probleme in großem Stil SocGen-Aktien verkauft.

Wie der Verwaltungsrat beschloss, soll der bisherige Chef Daniel Bouton auf seinem Posten bleiben. Er hatte im Zuge des Skandals seinen Rücktritt angeboten. (zw)