Kaum sind die Lipizzaner in den Rang von Sacher-Würschteln erhoben, zeigt sich auch schon, wohin Ausgliederung führen kann: Meuterei bei den weißen Hengsten, schlägt "News" Alarm. Die "Sacher"-Chefin, als Holenders Opernball-Organisatorin an Stahlbäder gewöhnt, wurde bei Amtsantritt als Retterin des finanziell schwer angeschlagenen Staatsbetriebes gefeiert. Und so rasch kann es gehen: Mittlerweile stößt ihr Sparwille jedoch auf Widerstand, und zwar dort, wo er obwaltet.

Wo sonst? Das Magazin ist sichtlich zerrissen zwischen den Bereitern, denen es an die Uniformkragen gehen soll, und der Stahlbademeisterin, der es sich societymäßig verpflichtet fühlt. Wandten sich doch mehrere der Reiter nun mit Gürtlers Plänen an NEWS. Die Folge: NEWS konfrontierte die neuen Geschäftsführer, Elisabeth Gürtler und Erwin Klissenbauer, mit den Vorwürfen. Die fanden aus diesem Circulus vitiosus keine Ausflucht, sie zogen den brandneuen Rechnungshofbericht wie ein Ass (nicht etwa wie ein As) aus den Ärmeln: Der weltberühmte Betrieb ist in ernsten Turbulenzen.

Das liegt aber nicht an den Uniformkragen der bereitenden Herren, die den Rechnungshof kaum gestört haben dürften. Denen soll es vielmehr, wie nach jeder Ausgliederung üblich, an die Gehälter und Reisezulagen gehen. Leistungsträger, wie sie im Hotel Sacher aus und ein gehen, könnten kaum etwas dabei finden, dass ein Oberbereiter 2004 bis zu 173.000 Euro fixes Jahresgehalt bezog. Aber nur ein paar Schritte weiter ist das natürlich etwas anderes.

Die Amerikatournee wurde jedoch nicht aus Gründen der Sparsamkeit abgesagt. Wir haben, so die an Stahlbäder gewöhnte Sacher-Chefin, die Amerikatournee abgesagt, weil es unter den Tieren zwei Krankheiten gibt, für die in den USA Einreiseverbot besteht. Dass in den USA ein Einreiseverbot für Krankheiten besteht, ist klug von den Amerikanern, schlecht für die Einkommen des Personals unter dem Zweispitz, daher gut für die Bilanz. Aber auf diesem Wege erfahren zu müssen, dass unter den weißen Hengsten gleich zwei Krankheiten grassieren, für die ein Einreiseverbot in den USA besteht, muss den heimischen Hippophilen erschüttern. Hoffentlich stecken sie nicht die Reiter an, denen es eh schon an die Uniformkragen gehen soll.

Irgendwie wollte "News" auch den Rossebändigern etwas Gutes tun. Daher an die Reiterbändigerin die beinharte Feststellung: Manche werfen Ihnen eine One-Woman-Show vor. Die wusste aber von nichts. Ich weiß nicht, was das ist. Ich denke, dass man mich geholt hat, damit mein Bekanntheitsgrad der Hofreitschule nützt. Unter "News"-Lesern dürfte sich der Bekanntheitsgrad der stahlgebadeten Opernball-Organisatorin mit dem der Lipizzaner annähernd die Waage halten. Ob draußen in der Welt der Bekanntheitsgrad der Hofreitschule vielleicht eher dem Hotel Sacher nützt, hat das Magazin leider nicht ausgelotet.

Was das Stahlbad des Opernballs betrifft, ist keiner mit größerer Selbstaufopferung durch dasselbe geschritten wie auch heuer wieder Richard Lugner. Sogar im Umfeld des Ereignisses waren die Badefreuden diesmal groß, und kein Medium wusste davon korrekter zu berichten als "Österreich". Alle Bilder vorab. Ditas Strip-Show - Heute Live: Dita von Teese nackt in Wien, hieß es auf dem Cover von "Life & Style". Und im Inneren konsequent: Wenn die Burlesque-Stripperin . . . in der Lugner Kino City ihre berühmte Strip-Nummer im Martiniglas zum Besten gibt, wird die Burlesque-Queen die Shopping Mall beim Wiener Gürtel mit Sicherheit zum Brodeln bringen. Und das, obwohl keine wirklich nackten Tatsachen zu erwarten sind.

Fellner-Journalismus, in reinstes Fellner-Deutsch gegossen. Sie lässt während des Acts die Hüllen nie ganz fallen ... Trotzdem war der heiße Act bei Kartenpreisen von 20 bis 30 Euro innerhalb von 24 Stunden ausverkauft. Wer sich das Geld sparen wollte, kam bei "Österreich" in einem illustrierten Stationendrama auf seine Rechnung. 1 Einstieg. Dita kommt im funkelnden Gold-Mieder auf die Bühne. 2 Weg mit der Wäsch'! Die Strümpfe müssen dran glauben. 3 Dita wirft sich "in Schale". Prickel-Dusche mit der überdimensionalen Olive. 4 Tanz im Glas. Die Künstlerin räkelt lasziv ihren sexy Body. 5 Dita begießt ihren perfekten Körper mit dem Alk-Mix. 6 Pirouetten im Martini-Glas. Sexy Dita hat den Dreh heraus. 7 Heiße Nummer. Die Burlesque-Queen ganz in ihrem Element.

Die hatte auch noch eine Einlage für Fußfetischisten absolviert. Ein Assistenz streift ihr die Stilettos von den Füßen. Aber dann wurde eiskalt abgerechnet. Rund 350 Zuschauer werden erwartet. Macht (Gratiskarten weggerechnet) für Lugner auf die Schnelle 10.000 Umsatz.

So viel Mühe verdiente ihren Lohn. Der rote Teppich ist zum Ausrollen bereit, wenn heute Abend um 20.30 Uhr die nationale und internationale Prominenz die Staatsoper zum 53. Opernball betritt. ÖSTERREICH präsentiert die 50 wichtigsten Gäste: Allen voran Richard Lugners Ballspende, die Edel-Stripperin und Stilikone Dita von Teese.

Irgendetwas machen sie in der Hofreitschule falsch. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 2./3.2.2008)