Washington/Los Angeles – Decken sich die Meinungsumfragen mit der Realität, gewinnt John McCain bei den Republikanern die Primaries am Super Tuesday in den meisten der 22 Bundesstaaten, bei den Demokraten liegen Hillary Clinton und Barack Obama Kopf an Kopf. Doch werden die Sieger des großen Tages auch im Rennen um die Nominierung für die Präsidentschaftskandidatur vorn liegen? Nicht unbedingt. Im US-Vorwahlsystem erhalten nicht immer jene Kandidaten die meisten Delegierten für den Wahlparteitag, die auch am meisten Stimmen in einem Bundesstaat bekommen haben.

Die Republikaner vergeben in manchen Bundesstaaten alle Delegierten an den Vorwahlsieger (z.B. Florida, 57 Delegierte an John McCain). In anderen Staaten wird nach Kongresswahldistrikten abgerechnet – entweder nach dem Winner-takes-it-all-Modell oder proportional. Die Demokraten dagegen haben die "Alle Delegierten für den Sieger"-Aufteilung abgeschafft. Sie vergeben ihre Delegierten proportional in Kongresswahldistrikten oder im gesamten Bundesstaat. Deswegen etwa hat Clinton in Nevada mit gut fünf Punkten Vorsprung auf Barack Obama gewonnen, jedoch einen Delegierten weniger erhalten. Obama schnitt in der Abrechnung nach Distrikten besser ab.

Insgesamt stehen am Super Tuesday bei den Demokraten 1681 und bei den Republikanern 1020 Delegierte auf dem Spiel. Für die Nominierung benötigen die demokratischen Bewerber mindestens 2025, die Republikaner 1191 Delegiertenstimmen. Vergeben werden diese Stimmrechte an Bundesstaaten gemäß Bevölkerungszahl. In Kalifornien sind demnach in beiden Parteien am meisten Delegierte zu holen (441 bei den Demokraten und 173 bei den Republikanern). "Wir sind der große Gorilla auf dem Nominierungskonvent", erklärt Art Torres, der Chef der Demokraten in Kalifornien. Er hält es besonders bei den Demokraten für unwahrscheinlich, dass einer der beiden Kandidaten nach dem Super Tuesday genügend Delegierte gesammelt haben wird. Die Entscheidung über die Nominierung könne sich bis März oder April hinziehen, wenn delegiertenreiche Bundesstaaten wie Texas, Ohio, Pennsylvania und North Carolina abstimmen.

Die so genannten Superdelegierten sind in beiden Parteien in etwa 20 Prozent der Delegierten auf dem Wahlkonvent. Sie werden nicht gewählt, sondern sind Parteifunktionäre, Abgeordnete oder Gouverneure. Bei den Demokraten sind sie – im Gegensatz zu den gewählten Delegierten – nicht auf einen Kandidaten verpflichtet. Bei den Republikanern müssen sie sich teilweise an die Wahlergebnisse in ihrem Bundesstaat halten. Sie könnten theoretisch bei einem knappen Rennen die Nominierung entscheiden.

Die letzte große Unbekannte sind die 58 Delegierten, die der ausgeschiedene Demokrat John Edwards gewonnen hat. Mit seiner Kandidaten-Empfehlung könnte er die Wahl noch stark beeinflussen. (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2008)