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Im Wollmantel: Außenminister und Ex-NGO-Mann Kouchner empfing Tschad-Evakuierte in Paris.

Foto: AP /Michael Sawyer
Ein Rückzug der Österreicher würde Frankreichs Bemühungen um die Tschad-Mission gefährden, meint der Afrikaspezialist Antoine Glaser im Gespräch mit Stefan Brändle. Paris hält sich im innertschadischen Konflikt zurück.

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STANDARD: Haben die Franzosen den Vormarsch der Rebellen über 2000 Kilometer bis zur Hauptstadt N’Djamena verschlafen?

Glaser: Die französische Armee war zweifellos auf dem Laufenden. Aber sie hat den Dingen diesmal ihren Lauf gelassen. Offenbar will sie nicht mehr direkt in diesen internen Konflikt eingreifen. Dieser Wille deckt sich mit dem völkerrechtlichen Standpunkt: Paris hat mit N’Djamena kein eigentliches Verteidigungsabkommen geschlossen, sondern nur eine Übereinkunft für eine militärische Kooperation. Also muss Frankreich der tschadischen Armee nur logistische und medizinische Hilfe leisten.

STANDARD: Vor zwei Jahren bombardierten französische Mirage-Kampfflugzeuge noch die Rebellen und stützten so Präsident Idriss Déby.

Glaser: Ja, aber seither hat Frankreich seine Afrikapolitik leicht geändert. Präsident Sarkozy folgt offenbar der Devise, sich bei Staatsstreichs und Putschversuchen nicht mehr einzumischen. Das ist eher neu. Sein Vorgänger Chirac, der bei dem tschadischen Putschversuch 2006 im Amt war, hätte vielleicht auch jetzt noch den Befehl zu einem Einsatz der im Tschad stationierten französischen Soldaten gegeben.

Jetzt werden die Rebellen auch nicht direkt vom antifranzösischen Regime im Sudan unterstützt. Der französischen Generalstab im Tschad kennt die Rebellenführer gut. Als der Tschad mit Muammar al-Gaddafis Libyen im Konflikt lag, kämpften sie auf der gleichen Seite und waren Waffenbrüder von Déby.

STANDARD: Hält sich Frankreich nicht auch mit Rücksicht auf die anderen Europäer zurück?

Glaser: Möglicherweise schon. Wenn sich Frankreich stärker engagieren würde, entstünden für die Eufor-Truppe – die ja zu mehr als der Hälfte von französischen Soldaten gestellt wird – beträchtliche Schwierigkeiten.

STANDARD: Was würde es für Frankreich bedeuten, wenn Österreich seine Eufor-Soldaten zurückzöge?

Glaser: Das wäre ein harter Schlag für Paris. Eric Chevallier, der Berater des französischen Außenministers Kouchner, legte sich seit Monaten ins Zeug, diese Truppe zustande zu bringen, und es gelang ihm ja nur mit größter Mühe, Polen, Iren und Österreicher zur Entsendung kleiner Kontingente zu überreden, nachdem die Großen in der EU abgewunken hatten. All diese Anstrengungen wären nun gefährdet. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2008)