Mailand - Ab 1. April wird Italien nur mehr über ein Drehkreuz verfügen, einen interkontinentalen Airport. Denn die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia hat beschlossen, ab Ende März 180 Flüge, davon vierzehn interkontinentale Luftverbindungen, vom Mailänder Flughafen Malpensa nach Rom-Fiumicino zu verlagern. Die Ironie des Schicksals will, dass der römische Flughafen zu diesem Zeitpunkt kaum imstande sein wird, die zusätzlichen Flüge zu absorbieren.

Um zu überleben ist Alitalia jedoch gezwungen, in Zukunft nicht mehr zwei sondern nur mehr einen Hub, ein internationales Drehkreuz, zu betreiben. "Malpensa kostet uns zusätzlich 200 Millionen Euro pro Jahr" begründet Alitalia-Chef Maurizio Prato den Beschluss. Der erst vor acht Jahren eröffnete Malpensa Airport verliert künftig an Bedeutung und soll zum regionalen Airport degradiert werden.

Das wollen die Mailänder Lokalpolitiker und Unternehmer nicht hinnehmen. Die Flugbetreibergesellschaft Sea, die mehrheitlich von der Stadt Mailand kontrolliert wird, hat bereits gegen die Alitalia eine Schadenersatzforderung von 1,2 Mrd. Euro eingereicht. Auch der Bieter für Alitalia, die Fluggesellschaft Air One hat Einspruch beim zuständigen Landesgericht TAR in Rom erhoben und gegen die Exklusivverhandlungen mit Air France protestiert.

Der Beschluss der Alitalia, mit Air France exklusiv zu verhandeln, sei rechtswidrig, behauptet das Air One Management. Das Gericht will bis 20. Februar ein Urteil fällen. Die Verkaufsverhandlungen der 180 freigewordenen „slots“ (Lande und Startgenehmigungen) werden inzwischen fortgesetzt. Zu den Bewerbern zählt auch die deutsche Lufthansa, die von hier aus Direktflüge nach New York und London plant. Hingegen hat die Ryanair das ursprüngliche Interesse dementiert.

Inzwischen haben sich 50 norditalienische Unternehmen bereit erklärt, Malpensa mit 24 Mio. Fluggästen pro Jahr zu "retten". Der lombardische Transportminister Raffaele Lombardi bestätigte zu Wochenmitte, dass die Unternehmen bereit sind, Air One beim Angebot für Alitalia zu unterstützen. Die italienische Fluggesellschaft Air One hat im Gegensatz zu Air France-KLM versprochen, den Mailänder Malpensa Airport künftig als "Hub" weiterzuführen. Inzwischen werden aber nicht nur die Alitalia-Verkaufsverhandlungen mit Air France fortgesetzt. "Wir wollen möglichst bald zum Abschluss kommen", bestätigte der zurückgetretene italienische Ministerpräsident Romano Prodi am Mittwoch. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 07.02.2008)