Klagenfurt - Der vom Rechnungshof in seinem jüngsten Bericht aufgedeckte Spendenskandal um das Tsunami-Hilfsprojekt in Banda Aceh beschäftigte am Donnerstag den Kärntner Landtag. In einer von der ÖVP beantragten "Aktuellen Stunde" gab es massive Kritik an Landeshauptmann Jörg Haider. Die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses wurde aufgeschoben, bis der Endbericht vorliegt.

Laut Rohbericht wurde das "Kärnten-Dorf" um 204.000 Euro zu teuer gebaut, Bauvergabe und Kontrolle hätten völlig versagt. Der Verbleib von 108.000 Euro, die angeblich noch auf einer Stiftung in Indonesien liegen, ist ungeklärt. SPÖ, ÖVP und Grüne wiesen Haider die Verantwortung zu, da "ausschließlich seine Vertrauensleute für die Umsetzung des Projekts verantwortlich waren", wie der Rechnungshof feststellte: etwa Haiders Exprotokollchef Franz Koloini oder Siegfried Wuzella, Leiter des "Bürgerbüros".

Haider selbst war nicht im Landtag anwesend. Er zog eine Pressekonferenz in Wien vor. SPÖ-Klubobmann Peter Kaiser bezeichnete Haider deshalb als "Feigling", der sich jetzt aus der Verantwortung stehle. ÖVP-Klubchef Stefan Tauschitz forderte Haider auf, das "grauenhaft verschlampte" Spendengeld aus eigener Tasche zurückzahlen: "Es war sein Projekt, seine Umsetzung und ist folglich auch sein Spendenskandal."

Für Grünen-Sprecher Rolf Holub zeigt sich am Beispiel Banda Aceh einmal mehr das "System Haider", mit dem dieser Kärnten im Griff habe. "Egal, ob Seebühne oder indonesische Bühne: Der Landeshauptmann stellt sich drauf und mimt den Selbstdarsteller." In Kärnten sei man sich "nicht zu blöd, dafür einen Tsunami und das Leid von Menschen herzunehmen".

Das BZÖ wies alles zurück und sprach von einer "Anschüttungspropaganda gegen einen erfolgreichen Landeshauptmann", so Klubobmann Kurt Scheuch. Die "Schuldigen" sind auch auf BZÖ-Seite bereits festgemacht, nämlich der indonesische Konsul Christian Bradach und die Architektin Jana Revedin, die sie bereits angezeigt haben. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2008)