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Das Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) sucht derzeit 150 zusätzliche Berater.

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Johannes Kopf, AMS-Vorstand, will mehr Qualität in der Erstberatung bieten

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Dem Arbeitsmarktservice wurde zuletzt von Regierung und Sozialpartnern mehr Geld und Personal versprochen. Damit sollen mehr Facharbeiter für den regionalen Bedarf ausgebildet und die Beratung für Arbeitslose verbessert werden, sagt die AMS-Spitze.

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Wien - Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, bis Mitte März das Maßnahmenpaket für den Arbeitsmarkt fertigzuschnüren. Ein Teil wurde mit dem sogenannten Lehrlingspaket im Jänner vorbereitet, offen sind aber nach wie vor die komplette Finanzierung sowie eine Neuregelung der Altersteilzeit, des Kombi-Lohns sowie der Altersschwelle, ab der für Mitarbeiter keine Arbeitslosenversicherungsbeiträge mehr fällig sind (derzeit 56 Jahre). Mit der Materie befasste Personen sagen, dass die Zeit an sich knapp wäre, außerdem begünstige die politische Großwetterlage nicht das Vorankommen.

Auch für das Arbeitsmarktservice (AMS) wurde mehr Geld und mehr Personal vorgesehen. Drei Viertel der 150 zusätzlichen Personen, die das AMS gerade sucht, sollen in der "Servicezone" eingesetzt werden, sagt Johannes Kopf, eines der beiden AMS-Vorstandsmitglieder, im Gespräch mit dem Standard, also für den Kontakt mit Arbeitssuchenden während der ersten drei Wochen der Joblosigkeit (falls notwendig, wechseln die Arbeitssuchenden nach drei Monaten in die "Beratungszone").

"Im Schnitt soll das erste Gespräch dann eine halbe Stunde dauern", sagt Kopf. Derzeit seien es knapp zehn Minuten. Übergeordnetes Ziel sei eine weitere Verkürzung der Verweildauer in der Arbeitslosigkeit (derzeit rund 80 Tage). Kopf sagt, trotz aktuell sinkender Arbeitslosigkeit, könne mit dem zusätzlichen Personal "die Qualität unserer Arbeit verbessert werden". In jenen Bundesländern, in denen jetzt schon die Arbeitslosigkeit relativ niedrig ist - Oberösterreich und Salzburg -, seien die Erstgespräche in den Beratungsstellen bereits verlängert worden, in Wien habe man die Kapazitäten noch nicht gehabt.

Die zusätzlichen Personalkosten, heuer rund sieben Millionen Euro, könne das AMS aus Rücklagen decken, für das kommende Jahr sollen die Mittel aus der Arbeitslosenversicherung kommen (die heuer ausgeglichen bilanzieren soll, erstmals nach Jahren hoher Defizite).

"Politische Vereinbarung"

Umfassender sind die anderen Wünsche, die Regierung und Sozialpartner an das AMS haben: Einerseits soll das Auffangnetz für jene Jugendlichen verbessert werden, die keine Lehrstelle finden oder gekündigt werden. Jugendliche in den diversen Lehrgängen sollen künftig einheitlich 200 statt wie bisher teilweise nur 150 Euro Monat "Lehrlingsentschädigung" erhalten (Kosten für den Staat: circa vier Millionen Euro).

Andererseits gibt es die Vorgabe, dass auch mehr erwachsene Facharbeiter ausgebildet werden sollen. 2008 soll es 2500 zusätzliche Kursplätze geben, 2009 dann 5000 und ein Jahr später 10.000. Die Kurse sollen je nach regionalem Bedarf angeboten werden. Hier wird mit Kosten von rund 7000 Euro pro Ausbildungsplatz gerechnet. Daraus ergibt sich also der folgende Kapitalbedarf: 2008: 17,5 Mio. Euro; 2009: 35 Mio. Euro; 2010: 70 Mio. Euro. Für dieses Geld brauche es noch die "politische Vereinbarung", sagt AMS-Chef Kopf, wenngleich die Mittel prinzipiell zugesagt worden sind.

Das hängt aber wiederum alles an der Einigung über das Paket für ältere Arbeitnehmer und vor allem an konkreten Finanzierungsvorschlägen. Hier ist die Regierung bisher noch Details schuldig geblieben. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.02.2008)