Foto: ZDF/3sat
Am russischen Kap Arktichesky haben sich zwei Männer eingefunden, um die Überschreitung des Nordpols Richtung Kanada in Angriff zu nehmen. Von Kontinent zu Kontinent. Jeder für sich natürlich, und das alles bei minus 35 Grad. Stichwort: Herausforderung.

"Allein auf einer Eisscholle" lautete der Titel einer Dokumentation, die Montagnacht auf 3sat zu sehen war. Der Schweizer Fotograf und Abenteurer Thomas Ulrich war dabei zu beobachten, wie er im heimatlichen Interlaken Autoreifen über grüne Almwiesen schleppte, seine Hightech-Ausrüstung zusammenstellte und sich auf hundert Tage Einsamkeit vorbereitete. Erfahrung und Kraft würden für ein solches Unternehmen nicht genügen, meinte der Extremsportler, entscheidend sei dabei die psychische Verfassung.

Wenig später sollte er, von orkanartigen Stürmen auf einer Eisscholle gefangen, um sein Leben bangen - und während sein Konkurrent bereits den Rückzug angetreten hatte, die Kamera selbst in die Hand nehmen und das eigene Schicksal dokumentieren.

Dieses war nun in farblosen Videobildern zu verfolgen, die ein verzerrtes, erschöpftes Gesicht zeigten und eine Stimme, von der man nicht genau wusste, mit wem sie jetzt eigentlich sprach. Dabei hatte man das Gefühl, dass sich die Aufnahmen - anders als die unzähligen Fernsehbilder von diversen Naturkatastrophen - zunehmend verselbständigten: Denn ab einem gewissen Zeitpunkt ist es scheinbar egal, für wen man etwas festhält, sei es in schriftlicher oder bildhafter Form.

Die Bilder Ulrichs erlangten allerdings keine ähnliche Berühmtheit wie die Tagebücher Robert Scotts aus der Antarktis, dafür hätte der Getriebene nämlich nicht von russischen Helikoptern gerettet werden dürfen. (pek/DER STANDARD; Printausgabe, 13.2.2008)