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Franz (li.) und Christian Hirtzberger, die Geschwister des vergifteten Bürgermeisters von Spitz an der Donau, können sich das "unfassbare" Attentat auf ihren Bruder nicht erklären.

Foto: Reuters/Neubauer
Spitz an der Donau - Während sich Hannes Hirtzberger, der Bürgermeister von Spitz an der Donau, nach dem Verzehr einer mit Strychnin vergifteten Praline unverändert in künstlichem Tiefschlaf befindet, sucht die Polizei weiter nach dem Täter. Zirka 60 Personen wurden bereits befragt, schätzt Chefinspektor Leopold Etz. Eine "heiße Spur" fehle aber nach wie vor. Lediglich ein Motiv im privaten Bereich ließe sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.

Neben weiteren Befragungen versuchen die Ermittler durch das Kuvert mit der Grußkarte, die Freitagabend zwischen 18 und 19 Uhr mit der Süßigkeit auf Hirtzbergers Auto vor dem Gemeindeamt platziert wurde, auf neue Informationen zu stoßen. Bis Ende der Woche soll feststehen, ob sich darauf DNA-Spuren befinden, die vom Täter stammen. Weiters versucht die Polizei herauszufinden, wo die mit Rosen bedruckte Karte erstanden wurde. Ob es sich eher um die Tat einer Frau handle, was laut Kriminalpsychologen bei der Mehrzahl der Gift-Attentate der Fall sei, "traue ich mich nicht zu behaupten", sagt Etz.

Bei jener Schokolade-Packung, die der Kremser ÖVP-Stadtrat Josef Deißenberger ohne Absender in seinem Briefkasten fand, kann mittlerweile Entwarnung gegeben werden. Die noch originalverpackten Pralinen würden zwar noch chemisch untersucht, die Schachtel weise aber keine Spuren von Manipulation auf.

Familie in Ungewissheit Am Dienstag wandten sich auch zwei Brüder des Anschlagsopfers an die Öffentlichkeit. Franz Hirtzberger, ein bekannter Winzer, und Christian Hirtzberger, der als Rechtsanwalt tätig ist, betonten, dass sie keinerlei Hinweise über Hintergründe des Attentats hätten. Es sei aber auch nicht "primär unsere Aufgabe, über Motive nachzudenken", sagte Christian Hirtzberger. Offensichtlich habe die Tat "ein Mensch begangen, der bereit war, eine Schwelle zu überschreiten, die ein normaler Mensch nicht überschreitet". In den Tätigkeiten als Bürgermeister und Rechtsanwalt habe ihr Bruder Hannes Rückgrat bewiesen, und da könne sich schon einmal jemand auf den Schlips getreten fühlen. Dennoch sei die Tat "unfassbar".

In erster Linie bange die Familie nun um das Leben von Hannes Hirtzberger. Wann die Unsicherheit ein Ende haben wird, sei derzeit noch nicht abzusehen.

Die Brüder baten auch darum, die Frau und die schwangere Tochter des Ortschefs keinem öffentlichen Druck auszusetzen. Etwaige Vorwürfe des Leichtsinns ihres Bruders wiesen sie entschieden zurück. Es sei völlig normal, Geschenke anzunehmen. Das intakte Umfeld in Familie, Ort und Region erzeuge ein "nach wie vor aufrechtes" Sicherheitsgefühl.

Franz Hirtzberger betonte auch, welches Glück im Unglück sein Bruder gehabt habe, weil er zwei Passantinnen noch mitteilen konnte, dass er vergiftet worden sei, und diese mit Freunden Hirtzbergers die entscheidenden Minuten, wenn nicht gar Sekunden, richtig genützt hätten. (Gudrun Springer/DER STANDARD – Printausgabe, 13.2.2007)