Washington/Wien - Barack Obama hat seinen neuerlichen deutlichen Sieg bei den Vorwahlen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur als Votum für einen Wandel in der amerikanischen Politik gewertet. "Das ist die neue amerikanische Mehrheit", sagte Obama am Dienstagabend unter dem Jubel seiner Anhänger in Wisconsin.

Er stehe für Veränderungen in Washington und für eine Politik, die Demokraten, Unabhängige und Republikaner zusammenbringen wolle, um dem amerikanischen Traum wieder zum Durchbruch zu verhelfen, sagte Obama. Er wolle ein Präsident sein, "der nicht nur auf die Wall Street hört, sondern auch auf die Hauptstraße". Amerika soll weiter ein Land sein, in dem man es durch harte Arbeit nach oben schaffen könne, doch verdienten die Menschen auch eine angemessene Gesundheitsversorgung und soziale Absicherung, Bildungschancen und die Aussicht auf einen Lebensabend in Würde. Diesen Traum hätten die (mehrheitlich demokratischen) Bewohner der großen Städte mit den (mehrheitlich republikanischen) Landbewohnern gemein, betonte Obama.

"Ich war von Anfang an dagegen"

Obama schoss sich erneut auf John McCain ein, dem er vorwarf, ein Politiker der Vergangenheit zu sein. "(US-Präsident) George Bush steht im November nicht zur Wahl, und auch (Bushs Vize) Dick Cheney nicht, ihr Krieg und ihre Steuersenkungen für Reiche dagegen sehr wohl", hielt Obama dem wahrscheinlichen republikanischen Präsidentschaftsbewerber vor, Bushs Politik zu unterstützen. Der Senator erinnerte auch an McCains umstrittene Aussage, die US-Soldaten nötigenfalls auch 100 Jahre im Irak lassen zu wollen. "100 Jahre! Das ist Grund genug, ihm keine vier Jahre im Weißen Haus zu geben", rief Obama aus.

Obama kündigte neuerlich einen raschen Abzug der US-Soldaten aus dem Irak an. Die Soldaten seien "gezwungen, in einem Krieg zu kämpfen, der nie hätte autorisiert und geführt werden dürfen". In einem Seitenhieb auf seine Kontrahentin Hillary Clinton sagte Obama, ihm werde McCain niemals vorwerfen können, ursprünglich für den Irak-Krieg gewesen zu sein. "Ich war von Anfang an dagegen", sagte der erst im Jahr 2004 - ein Jahr nach Kriegsbeginn - in den US-Senat gewählte Politiker. Clinton, die seit 2000 Senatorin ist, hatte die Kriegspläne Bushs wie fast alle anderen Senatoren mitgetragen, ist aber nun ebenso wie Obama gegen den unpopulären Militäreinsatz. (APA)