"Negative Campaigning" könnte auch nach hinten losgehen, denn harte Angriffe sind dem politischen Gegner - also den Demokraten - vorbehalten, meint Thomas Hofer, Politikberater und Buchautor aus Wien.

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Der Wahlkampf gewinnt an rhetorischer Schärfe. Hillary liegt mittlerweile an zweiter Stelle und muss sich eine neue Strategie überlegen Obama wieder auf den zweiten Platz zu verweisen. So nett wie bei diesem gemeinsamen Fernsehauftritt Ende Jänner werden Hillary und Obama jetzt wohl länger nicht mehr zueinander sein.

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Mit den Siegen bei den Vorwahlen am Dienstag hat Barack Obama seine innerparteiliche Rivalin Hillary Clinton im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur knapp überholt. Hillary Clinton bleibt aber kaum Zeit, sich die Wunden zu lecken und wieder zu Kräften zu kommen. Die Wahlkampfmaschinerie läuft unerbittlich weiter. Nächster wichtiger Termin ist der 4. März. Dann stimmen die Demokraten in Texas und Ohio über ihren Kandidaten ab. Umfragen sagen Clinton ein gutes Ergebnis voraus. „Das ist eigentlich Hillary-Land“, sagt auch Thomas Hofer, Politikberater in Wien, und meint damit Texas, wo viele gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Hispanics leben, die tendenziell eher in Hillary die bessere Kandidatin sehen.

Dennoch hat sie den Sieg noch nicht in der Tasche. Hofer: „Obama hat eine unglaubliche Sogwirkung entwickelt. Überraschend war aber nicht, dass Obama gewinnt, sondern welche Wählerschichten für ihn gestimmt haben“. Obama fischte tief in den Stimmengewässern von Hillary: Er konnte mehr weibliche Stimmen einstreifen und punktete auch bei den Hispanics und Arbeitern und das könnte ihm Anfang März noch mal gelingen.

Auch dass mit dem Sieg Obamas, der bisher viele Nichtwähler begeistern konnte, dieser Mobilisierungseffekt schwindet, wird Clinton nicht viel nutzen. „Hillary Clinton wird außerdem als Kandidatin des Establishments wahrgenommen. Die Unzufriedenheit der Wähler mit dem politischen System fällt auch auf sie zurück“, analysiert Hofer.

Schmutzkübel

Für Hillary wird es schwierig eine Strategie gegen Obama zu entwerfen. Eine Möglichkeit wäre seine Schwächen aufzuzeigen. Aber Negative Campaigning kann auch nach hinten losgehen, warnt Hofer. Noch dazu sind die beiden Vertreter derselben Partei. Harte Angriffe sind dem politischen Gegner vorbehalten - also den Republikanern.

Die Auseinandersetzung wird dennoch schärfer werden. Freilich wird sich Hillary selbst nicht die Hände schmutzig machen. Ihr Mann fürs Grobe ist ihr Ehemann Bill, einstige vermeintliche Wunderwaffe im Wahlkampftross Hillarys. Hofers Einschätzung: Bill wird versuchen den Wählern zu erklären, dass Obama nicht der richtige Mann für den Job ist, weil er zu wenig Erfahrung mitbringe.

„Im Moment ist man eher ratlos im Lager Hillarys“, meint Hofer. Er empfiehlt Klinkenputzen und persönlichen Kontakt mit den Wählern. Und sie immer wieder zu ermuntern, sie mögen doch hinter die Kulissen der Obama-Show blicken. „Das klingt zwar nicht mitreißend, ist aber ihre einzige Chance“, so Hofer. Zumindest solange im Wahlkampf Symbolik und das Image der Kandidaten entscheidend sind. Sollten Inhalte wieder eine größere Rolle spielen, kann auch Hillary wieder ihre Stärken ausspielen.

Fünftes Rad am Wagen

Dass Obama für Hillary – sollte sie die Vorwahlen doch noch gewinnen – den Vize machen würde, hält Hofer für unwahrscheinlich: „Ich denke nicht, das er sich dafür hergibt. Wenn er vier oder acht Jahre Vize-Präsident wäre, wurde er von den Wählern als zum Establishment gehörend wahrgenommen werden. Dann wäre sein jetziges Image als neuer, frischer Kandidat dahin.“ Außerdem würde sich Bill immer in die Politik einmischen. „Obama wäre das fünfte Rad am Wagen“, analysiert Hofer.

In der Auseinandersetzung mit John McCain, dem republikanischen Kandidaten, sieht Hofer eher für Obama die besseren Chancen. „Er hat gewisse Attribute, die das Gegenteil von McCain sind. Obama ist jung, unverbraucht und dynamisch. McCain wird im November 73.“ Das ließe sich bei Fernsehdiskussionen gut verkaufen. Hillary hingegen habe ein harsches Image. McCain hat gegen beide gute Chancen, weil er über Parteigrenzen hinweg respektiert werde. Noch ist zumindest theoretisch alles möglich. „Es können alle Kandidaten noch inhaltliche Fehler machen.“ Damit erinnert Hofer daran, dass erst im Herbst endgültig über die Nominierung der Kandidaten erfolgt. (Michaela Kampl, derStandard.at, 13.2.2008)