Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM hat es mit der Übernahme der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalia nicht eilig. "Wir warten die Zustimmung der neuen Regierung ab", meinte Air-France-Generaldirektor Pierre-Henri Gourgeon. Dies bedeutet wohl, dass der Verkauf nicht – wie Wirtschaftsminister Tommaso Padoa Schioppa und Alitalia-Chef Maurizio Prato wünschten – in Kürze über die Bühne gehen wird.

Mitte April finden in Italien Parlamentswahlen statt. Mit einer neuen Regierung ist erfahrungsgemäß nicht vor Jahresmitte zu rechnen. Allerdings will Air France – wie vorgesehen – bis Mitte März ein verbindliches Angebot für die vom Staat kontrollierten 49 Prozent Alitalia-Anteile präsentieren.

Eine Million Verlust pro Tag

Inzwischen verliert Alitalia jedoch eine Million Euro pro Tag und drängt auf eine Kapitalerhöhung im Volumen von 750 Mio. Euro. Es bestehe Gefahr der Zahlungsunfähigkeit, sollte nicht bald ein Partner kommen, heißt es in Mailänder Analystenkreisen. Air France hatte ursprünglich 6,5 Mrd. Euro Investitionen bis 2015 zugesichert, was auch eine Kapitalerhöhung inkludiert.

Nach einem Verlust von 363,9 Mio. Euro im Vorjahr hat sich die Alitalia-Finanzlage wieder verschärft. Die Prognose für 2008 sei schlechter als im Vorjahr, heißt es auch in einer Unternehmensmitteilung. Derzeit ist Air France/KLM Exklusivverhandlungspartner für Alitalia. Dagegen hat Air One beim Landesgericht in Rom geklagt, eine Entscheidung soll am 20. Februar fallen. Air One will Alitalia übernehmen und wird dabei von der Banca Intesa Sanpaolo unterstützt. Auch verschiedene Ex-Regierungschef Berlusconi nahestehende Kreise ziehen einen nationalen Partner für Alitalia vor – auch, weil Air One den Fortbestand des Mailänder Airports Malpensa als Drehkreuz garantiert. Alitalia hat Malpensa-Abflüge aus Kostengründen gestrichen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.2.2008)