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Der Vorsitzende der italienischen Christdemokraten UDC, Pier Ferdinando Casini, will Regierungschef werden; auf einer Parteiversammlung in Mestre bei Venedig attackierte er seinen einstigen Verbündeten Berlusconi: "Nicht alles in Italien ist käuflich."

Foto: APA/EPA/Peri-Percossi
Rom - Der Bruch zwischen dem großen Favoriten Silvio Berlusconi und den Christdemokraten hat am Samstag wieder Spannung in den italienischen Wahlkampf gebracht. Für den Cavaliere könnte der bereits sicher geglaubte Wahlsieg nun zur Zitterpartie werden.

Der Christdemokrat Pier Ferdinando Casini kündigte auf einer UDC-Versammlung in Mestre bei Venedig seine eigene Kandidatur für das Amt des Regierungschefs an. Dabei attackierte er Berlusconis neue Partei Popolo della liberta als "populistische und demagogische Erfindung" und versetzte dem ehemaligen Verbündeten auch einen persönlichen Tiefschlag: "Nicht alles in Italien ist käuflich."

Seine Partei sei nicht bereit, sich der Erpressung des Cavaliere zu fügen und auf ihr Listenzeichen zu verzichten: "Wir werden mit unserer Fahnen in den Wahlkampf ziehen", erklärte Casini unter dem Jubel seiner Anhänger. Forza Italia-Sprecher Fabrizio Cicchitto wertete die Entscheidung der UDC als "schweren politischen Fehler".

45 Prozent für Berlusconis Allianz

Nach dem Absprung der Christdemokraten kann Berlusconis Allianz nach Umfragen nur noch auf 45 Prozent der Stimmen zählen. Im Senat könnte der Vorsprung durch das komplizierte System der regionalen Bonusmandate auf wenige Sitze schrumpfen. In Berlusconis Wählerbecken fischen neben der UDC auch zwei neue katholische Parteien und die ultrarechte Formation von Francesco Storace.

12 Punkte-Programm zur Erneuerung

Während in Mestre Casini den Bruch mit dem Cavaliere verkündete, formierte sich in Rom die linke Opposition gegen Berlusconi. Auf dem Parteikonvent des Partito Democratico wurde dessen Herausforderer Walter Veltroni von den 2800 Delegierten mit Ovationen gefeiert. Er präsentierte ein 12 Punkte-Programm zur Erneuerung Italiens, das vom Fußvolk der neuen Partei mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde.

Der Parteichef versprach, die Zahl der Frauen im Parlament zu verdoppelt und die Fraktion des Partito Democratico deutlich zu verjüngen. Er selbst werde nicht als Spitzenkandidat ins Rennen gehen, sondern drei jungen Bewerbern den Vortritt lassen. Wie schon in seiner jüngsten Rede an die Nation forderte Veltroni eine radikale Reform des Parteiensystems und des Parlaments.

Nach Umfragen hat die neue Partei bereits vier Punkte zugelegt und liegt derzeit bei 33 Prozent. Das Linkskartell kommt auf acht, die mit Veltroni allierte Partei "Italien der Werte" auf vier Prozent. (Gerhard Mumelter)