Kein Wunder, dass hie und da etwas danebengeht. Die derzeitige Schlammschlacht um eine Liste von angeblichen Dopingsündern, die ein Anonymus verschickte, eignet sich mindestens so gut für eine Farce über die angebliche Medienwahrheit wie für ein Sittenbild um angeblich gedopte Sportler. Ein beliebtes journalistisches Rollenfach ist der Selbstlober, der noch vor kurzem eine - kurze Zeit später zurückgezogene - Meldung der ARD übernahm und Sportler, wie sich herausstellt, offenbar grundlos mit Doping in Zusammenhang brachte.

Nicht minder preisverdächtig ist der Aufdecker, der während der gerichtlichen Untersuchung so tut, als habe er sie überhaupt erst veranlasst. Schon lange Zeit vorliegende Veröffentlichungen in anderen Medien in seine Exklusivität zu inkorporieren, ist Teil des Regiekonzepts.

Besonders beliebt ist der Anschwärzer, der das Banner von Fußball/Skisport hochhält und sich die Einmischung von genrefremden Personen verbietet. Unter dem Schutzschild der Unschuldsvermutung vermutet er bei Eindringlingen korrupte Selbstbereicherung und nepotistische Netzwerkerei.

Sein Zwilling ist der Eingeweihte, der sich als bleicher Mond im Beifall der Mächtigen und Beliebten sonnt, denen er diensteifrig die ihnen Unbequemen aus dem Weg räumt.

Fehlt noch der kleine Schreihals, ein Nachfahre des Hofnarren, der jede Unverschämtheit absondern durfte, weil man sie als Wahrheit zu verstehen hatte, weil die Wahrheit, nämlich die Unverschämtheit des Narren, niemand hören wollte. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 18.2. 2008)