Bruce Willis outete sich wieder einmal als Soldat mit warmem Herzen. "Tränen der Sonne" wurden Sonntagabend auf ProSieben geweint, als es galt, Monica Bellucci samt lokaler Bevölkerung und Präsidentensohn aus dem nigerianischen Dschungel zu retten. Die Filmgegenüberstellung harter Soldatenprinzipien mit der Forderung nach Mitleid und moralischer Handlung förderte – wenig überraschend – archaische Bilder der Aufopferung zutage. Der Kreuzweg, an dem die Kameradenschaft tot liegen blieb, mündete in den Anblick Belluccis, die, gleich der leidenden Maria aus einer Pietà, den Kopf des halbtoten Soldatenführers an die Brust drückte.

Kriege werden aus Menschlichkeit geführt, und besonders jene der USA, ist die Grundaussage solcher Filme. "Tränen der Sonne" steht für viele Beispiele einer ständig präsenten Filmpropaganda aus Hollywood, die tröpfchenweise den globalen Interventionismus zur Sicherung nationaler Interessen mit moralischen Argumenten kaschiert. In dieselbe Kerbe schlägt natürlich auch der neue, eben im Kino angelaufene "Rambo"-Teil, in dem der Soldat von christlichen Missionaren zur Intervention in Burma überredet wird. Auch hier religiöse Anklänge, wenn der pazifistische Missionar im Moment der Not doch zum Stein (!) greift und den Gegner erschlägt.

Auch die Serie "E-Ring", die von einer militärischen Spezialeinheit des Pentagon erzählt (donnerstags auf ATV), bedient dieselbe Rechtfertigungsstrategie in der aktuellen Debatte um den Gegensatz von Menschenrechten und Terrorismusbekämpfung. Keinen wundert, dass das Match zugunsten des Letzteren ausgeht und dass der Versuch Menschenrechte in Betracht zu ziehen, zur Gefährdung der Antiterrormission führt und den Beinahetod der Soldaten zur Folge hätte. Alle Handlungselemente laufen letzten Endes darauf hinaus, dass Waffengewalt als einzige mögliche Alternative erscheint. (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 19.2.2008)