Es ist eine Frage der Zeit gewesen, und die ist nun beantwortet. Die Frage, die sich von dieser Woche an stellt, lautet: Was kann nach Mausi nackt! Lugners Ex lässt jetzt alle Hüllen fallen ( "Österreich" ) und Lugner nackt - Mörtels Ex legt ab. Ihre ersten Nackt-Fotos, der Seelen-Strip ( "News" ) noch kommen? Harald Serafin nackt als Dancing-Star? Jeannine Schiller als neuer Innenminister? Immerhin hat ihr Tanzpartner beim einschlägigen Geschmacklosigkeitswettbewerb des ORF in "tv-media" enthüllt: ,Erotische Einlagen sind mit Jeannine nicht möglich. Das nimmt uns doch keiner ab!'

Kommen Sie mir jetzt nicht mit der Ahnung, das, was "News" als das neue Ich-Gefühl einer modernen Vierzigerin, beziehungsweise als Mausi reloaded einzuordnen versucht, werde Nachahmungstäterinnen auf den Plan rufen. Schon passiert! Denn die Konkurrenz um die Präsenz in der printmedialen Buntpapiersammlung ist hart, daher konnte es gar nicht ausbleiben: Auch eine gewisse Isabella Meus, beste Freundin von "Mausi" Lugner, schuf nackte Tatsachen. Und zwar für "Madonna" und ausgerechnet in derselben Woche, in der ihre beste Freundin etwas für ihre Seele tat und gestand: ,Meine Brustvergrößerung war sicherlich auch eine seelische Operation - danach liebte ich mich endlich selbst.'

Wer will nicht wenigstens von sich selbst geliebt werden? Also erklärt Isabella Meus ihr "Nacktfoto" in "Madonna" mit der Selbstbeschreibung: "Ich bin ein exzentrischer Typ." Aber wie gesagt, nur zufällig. Das war ein Zufall. Ich habe mich einen Tag lang gefilmt und in der Früh war ich eben noch nackt. Reiner Zufall auch, dass der morgendliche Zeitvertreib dann in das Blatt geriet. In der Hoffnung, dennoch zu erzeugen, was man in der Society einen Aufreger nennt, behauptete die Frühfilmerin: Ich liebe spontane dirty Doktorspiele. Sex sollte dreckig, hart und sehr ausgefallen sein. Schockierendes hob sie sich allerdings für den Schluss auf: Ich würde gerne singen und habe mir überlegt, ein Lied aufzunehmen.

In unseren permissiven Zeiten ist ja vieles möglich. Da kann sogar "Madonna"-Chefin Uschi Fellner vor der Öffentlichkeit ausbreiten, warum meine Geheimlade ab jetzt streng geheim bleibt. Es handelt sich dabei aber nicht um die Lade, aus der sie endlich das Geheimnis hervorkramte, wie man allwöchentlich Weiblichkeit heuchelnden Nonsens produzieren kann, nein, die Lade birgt manch kesses Teilchen, pfuh, ich sage Ihnen, oft ist mir die Frau, der das, was in der Lade ist, gehört, völlig unbekannt. Pfuh!

Aber es war "Woman", wo der Society die Glücksformel aufgedrängt wurde, auf die sie schon seit längerem gewartet hat: Die Treichls - Das Geheimnis ihrer Glücks-Ehe. Kann heute niemand mehr ein Geheimnis für sich bewahren? Nicht einmal "Woman", das Magazin für den gehobenen Mittelstand und seine Träume vom Glück, stets proper, keine dirty Doktorspiele, höchstens ein wenig Anti-Aging. Nein, es musste einfach heraus, das Ehe-Psychogramm zum 10. Hochzeitstag. Die neue Opernball-Lady und der erfolgreiche Banker führen eine geglückte Liebesbeziehung, weshalb es unvermeidlich wurde, sie auch zu dokumentieren: In Love. So verliebt ließen sich Desirée Treichl-Stürgkh und ihr Mann Andreas von Fotografin Monika Schrack ablichten. Die fotografiert besser als Isabella Meus!

Diese Frau ist ein echter Glücksfall für die heimische Society. Sie ist schön, klug, liebenswert, hat das Herz am rechten Fleck - und sie ist am Boden geblieben. Was sich so äußert: Wenige Tage nach ihrer Opernball-Premiere sah man Desirée Treichl-Stürgkh in Jeans, Winterjacke und flachen Stiefeln gemeinsam mit ihren Söhnen durch die Stadt flanieren. Dass jemand mit so viel Bodenhaftung überhaupt noch flanieren kann, grenzt an ein Wunder. Und dann auch noch in Jeans, Winterjacke und flachen Stiefeln! Schließlich hätte sie wenige Tage nach ihrer Opernball-Premiere ja auch im Ballkleid durch die Stadt flanieren können. Fast ist man geneigt, mit Uschi Fellner zu sagen: Pfuh! Offensichtlich handelt es sich um ein Vorzeigepaar. Wo andere ihre kleinsten Beziehungskrisen bereitwillig dem Boulevard präsentieren, da gibt es bei den Treichls nichts. Gar nichts. Keine Gerüchte. Keine Schmutzwäsche. Kein böses Wort. Was "Woman" andeuten will: Die Treichls sind keine Lugners. Gut zu wissen. Da haben sich zwei gefunden, die sich wirklich lieben. Und dafür auch keine Öffentlichkeit brauchen. Aber ein wenig davon kann offenbar auch in diesem Fall nicht schaden.

Ein anderes Glückspaar gibt den Franzosen Grund zu politischer Hoffnung, vorausgesetzt, "Österreich" hat das Interview mit Carla Bruni-Sarkozy, das es neulich aus "L'Express" abgekupfert hat, auch richtig übersetzt: "Bleibe bei ihm bis zu seinem Tod." Ja, sie besteht glaubhaft darauf. Ich bin Italienerin und ich möchte mich nie scheiden lassen. Ich werde also die First Lady von Frankreich bleiben, bis mein Mann das Amt nicht mehr bekleidet, seine Frau, bis zum Tod. Sicherheitshalber, und weil man ja nie wissen kann, fügt sie freilich hinzu: Ich weiß zwar, dass es im Leben immer Überraschungen gibt, aber das ist zumindest mein Wunsch. Pfuh! (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 19.2.2008)