Beim Wahlkampfauftakt der niederösterreichischen Volkspartei konnte man deutlich sehen, was Erwin Pröll von der Bundes-ÖVP hält: nicht viel. Und seine Gefolgschaft dankt es ihm: Schenkelklopfendes Johlen war die Reaktion auf die kurze Videobotschaft, in der Parteichef Wilhelm Molterer in seiner Rolle als Finanzminister bestätigen durfte, dass sich Pröll dem Bund gegenüber durchsetzt, wenn es um Geld geht.

Er setzt sich auch sonst dem Bund gegenüber durch. Und er setzt sich vom Bund ab, wenn es ihm opportun erscheint.

Das hat er schon zu Zeiten getan, als Wolfgang Schüssel noch darum rang, Kanzler zu werden. Das hat er getan, als Wolfgang Schüssel darum rang, Kanzler zu bleiben. Es hat der niederösterreichischen Landespartei jeweils gutgetan, sie hat bei den vergangenen Landeswahlen stets besser abgeschnitten als die ÖVP bei Bundeswahlen im niederösterreichischen Wahlkreis. Bei der letzten Landtagswahl, wenige Monate nach dem einzigen großen Wahlerfolg der Bundes-ÖVP, konnte Prölls ÖVP gegenüber dem Landesergebnis der Nationalratswahl 2002 noch fünfeinhalb Prozentpunkte zulegen.

Dass Pröll nun nochmals versucht, Distanz zur Bundespolitik zu gewinnen, ist verständlich - die um eine politische Linie ringende und über jedes denkbare Detail streitende Bundesregierung ist ein taugliches Gegenbild zum mit viel Harmonie ausgeschmückten, aber in Wirklichkeit beinhart durchgezogenen Alleinvertretungsanspruch der Pröll-Partei. Seine Taktik zeigt aber auch, dass die immer wieder behauptete (und angeblich durch Umfragen belegbare) relative Stärke der ÖVP in der Bundeskoalition nicht einmal von den ÖVP-Politikern ernst genommen wird: Von dieser Stärke kann sich Pröll nichts kaufen. Da lebt er lieber auf Kosten der Autorität des Vizekanzlers. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2008)