Wien - Bawag-Zeuge Thomas Hackl, der am Mittwoch aussagte, ist ein ganz besonderer Zeuge. Zum dritten Mal schon stand er Rede und Antwort, jedes Mal reist er aus der Schweiz an, wo er sein Investmenthaus Acies Asset Management unterhält. 1991 war der gebürtige Deutsche zur Bawag gekommen, wurde Treasury-Chef, war kurze Zeit bei Refco in New York Manager. Dass in den USA (wo ab Mai Refco-Gründer Phillip Bennett vor Gericht stehen wird) ein Verfahren gegen ihn laufe, stimme nach seinem Wissen nicht, sagte Hackl zu anderslautenden Gerüchten.

In Wien ist das anders - die Staatsanwaltschaft führt gegen Hackl und andere (darunter auch Bennett) ein Vorverfahren wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue. Grundlage für den Verdacht (es gilt die Unschuldsvermutung): Im Herbst 1998 soll Refco-Managern zu Ohren gekommen sein, dass die Bawag Probleme mit Flöttl-Fonds habe, darüber hätte man auch mit Hackl gesprochen. In einem E-Mail beruhigte Hackl die Refco-Leute, wenig später fuhr Elsner nach New York.

Hackl, der als Treasury-Chef in die Geschäfte mit Flöttl eingebunden war, beteuert aber auch als unter Wahrheitpflicht stehender Zeuge, von den Verlusten nicht gewusst zu haben. Die Fragen, denen er sich stellen musste, kreisten vor allem um dieses Thema. Dass sich Hackl der Aussage trotz des parallel laufenden Vorverfahrens, in dem er am Dienstag von der Soko Bawag vernommen wurde, nicht entschlug, erklären Juristen so: Er wolle seine Reputation bei den Kunden nicht aufs Spiel setzen. Belastet wurde Hackl freilich von Investor Wolfgang Flöttl, der im Oktober 1998 rund 639 Mio. Dollar der Bawag verloren hatte: "Ich bin 1000-prozentig überzeugt, dass Hackl 1998 vom ersten Tag an wusste, was mir passiert ist." (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.02.2008)