Das Timing ist zumindest originell: Während die Belegschaftsvertreter heftig verhandeln, wer den ORF-Zentralbetriebsrat künftig anführt, sondiert eine Beratungsfirma im Auftrag des ORF, einen Teil der Technik auszulagern. Seit Jahren ein Reizthema für die Betriebsräte, insbesondere der Technik. Denen kommt bei der Wahl am kommenden Montag eine entscheidende Rolle zu.

Nach STANDARD-Infos soll eine externe Beratungsfirma – Gartner Austria – Kosten und Möglichkeiten prüfen, Teile der Informationstechnologie auszulagern. Bei der internationalen Beratungsgruppe bestätigt man "Gespräche" und Anfragen in die Richtung, ein Auftrag liege noch nicht vor. Der soll nach Informationen dieser Zeitung in diesen Tagen ergehen.

Mitarbeiter klagten

Thema ist die Anstellung von Leiharbeitskräften in der Infotechnologie. Dazu laufen nach STANDARD-Infos bereits Verfahren von Mitarbeitern, die sich unter Kollektivvertrag bezahlt sehen.

Zudem fordert der Betriebsrat seit Jahren, noch verbliebene Leiharbeitskräfte anzustellen. Gartner prüft nun, ob es nicht günstiger wäre, sie in einer Tochterfirma des ORF anzustellen. Die Berater dürften das bejahen.

Mehr Online-Vermarktung

Die Stiftungsräte haben vor kurzem einen Stellenplan für 2008 beschlossen, der Personal ausbaut statt auslagert oder abbaut: 25 Jobs mehr sieht er vor, darunter allein acht für die Online-Vermarktung. Thomas Prantner, Direktor für Online und neue Medien, dementiert: "Weder in der ORF-Onlinedirektion noch in der ORF Online & Teletext Ges.m.b.H. war oder ist geplant, 8 zusätzliche Vermarktungsmitarbeiter anzustellen. Dies ist auch im Stellenplan für 2008 nicht vorgesehen".

Nach ausführlichem Mailverkehr mit Direktor Prantner (den wir Ihnen jetzt wieder ersparen) erreichten wir Freitagabend einen Stiftungsrat, der den Stellenplan vor sich hatte dem er entnahm: acht Mitarbeiter mehr für die Online & Teletext-Tochter, denn "ferner erfordert der wachsende Onlinebereich Aufstockungen des Vermarktungsteams, der Technik und der Redaktion". Das klingt nach einem Unentschieden zwischen Prantner und unserem Bericht: Es sind acht Leute mehr vorgesehen, auch für die Vermarktung, aber nicht nur. (fid)

Noch kein Thema war in den Gesprächen zwischen Zeitungsverband und ORF laut Verband, dass der ORF Onlinediensten Bewegtbilder zuliefert, wie das die ARD plant. Den ORF habe "überrascht", als der Zeitungsverband ihn darauf hinwies, dass er dafür "marktübliche Preise" verlangen müsse, hieß es im Verband. Sonst verzerre er womöglich mit gebührenfinanziertem Programm den Wettbewerb.

Die EU prüft derzeit insbesondere die Onlineaktivitäten des ORF. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2008)