Eisenstadt - Eine Mon Cheri-Praline, die ihm in der Vorstandssitzung der Gemeinde Frauenkirchen am Donnerstagabend geschenkt wurde, erregt Erich Stekovics, Mandatar der Liste "NESt". "Ich finde, das ist ein Skandal, angesichts des Vorfalls in Spitz, dass das ein gewählter Vizebürgermeister macht und sich der Gemeindevorstand davon nicht distanziert", so Stekovics am Freitag.

Stekovics, der durch seine Aktivitäten im Gemüseanbau als "Paradeiser-Kaiser" bekannte Unternehmer, hat bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr mit seiner "Namensliste Erich Stekovics" drei Sitzen im Gemeinderat gewonnen. Am Donnerstagabend fand in der Stadtgemeinde eine Vorstandssitzung statt, zu der er etwas verspätet erschien. Auf seinem Platz lag eine einzelne Schokoladepraline, auf die ihn der Vizebürgermeister aufmerksam gemacht habe, dass diese von jemandem stamme, der ihn "sehr gerne" habe.

"War ein Missverständnis"

Der Frauenkirchner Vizebürgermeister Matthias Doser, der die Praline verschenkt hat, kann sich die Aufregung nicht erklären. "Das war ein Missverständnis. Wenn ich gewusst hätte, was rauskommt, hätte ich sie selbst gegessen", so Doser am Freitag. Doser werde versuchen, Stekovics zu kontaktieren, um die Sache aus der Welt zu schaffen.

Stekovics schrieb einen "Offenen Brief". Angesichts des Vorfalls in Spitz sah der Unternehmer in dem Vorfall einen "Skandal". Doser meinte, dass er in jede Vorstandssitzung Süßigkeiten mitbringe, so auch am Donnerstag. Die Besprechung sei sachlich verlaufen. Er könne sich nicht erklären, warum der Listen-Gemeinderat Stekovics so reagierte.

"Geschmacklos"

Doser habe "weit übers Ziel hinaus geschossen", erklärte Grünen-Landessprecher Josko Vlasich. "Solche Leute haben in verantwortungsvollen politischen Positionen nichts zu suchen. Doser soll zurücktreten", forderte Vlasich in einer Aussendung. Als "geschmacklos und jenseits jeglicher Pietät" bezeichnete ÖVP-Klubobmann Rudolf Strommer den Vorfall. Auch für ihn seien Bürgermeister Josef Ziniel und Doser "rücktrittsreif".

Stekovics sieht in dem gewählten Zeitpunkt "keinen Zufall", da am Donnerstag der erste Arbeitsbericht von NESt versandt wurde. "Es ist skandalös, dass Menschen in politischer Funktion, die Verantwortung tragen und Vorbilder sind, solche Aktionen ausführen oder gutheißen", erklärte der Unternehmer in einem "Offenen Brief". Er forderte den Ortschef und den Vizebürgermeister auf, "die einzig moralisch akzeptable Konsequenz zu ziehen".

Die Praline habe er mit nach Hause genommen. Gegessen habe er sie nicht. Über etwaige weitere Schritte möchte er sich erst mit seinem Rechtsanwalt beraten, so Stekovics. (APA)