"Ich gehe fest davon aus, dass das Wort gilt - von Kurt Beck und Andrea Ypsilanti -, dass sie keine wie auch immer geartete Kooperation mit der Linken eingehen werden." Es sind deutliche Worte, die der deutsche Finanzminister und SPD-Vize Peer Steinbrück an SPD-Chef Kurt Beck richtet - und Steinbrück ist nicht der einzige in der SPD, der über den mittlerweile bundesweit bekannten "Geheimplan" Becks entsetzt ist.

Der Parteivorsitzende hatte sich ja mit Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti folgendes ausgedacht: Um das Patt bei der hessischen Regierungsbildung zu beenden und Ministerpräsident Roland Koch (CDU) aus seinem Amt zu vertreiben, soll sich Ypsilanti bei der konstituierenden Sitzung des hessischen Landtages im April von SPD, Grünen und Linkspartei zur neuen Ministerpräsidentin wählen lassen. Einige Monate später könnte sie dann Neuwahlen vom Zaun brechen.

Zwar beteuert Beck nun: "Mit dieser sogenannten Linken wird es keinerlei aktive Zusammenarbeit geben." Er möchte auch nicht, dass die Linke eine rot-grüne Minderheitsregierung in Hessen toleriert. Aber dass sich Ypsilanti mit den Stimmen der Linkspartei zumindest zur hessischen Ministerpräsidentin wählen lassen könnte - das will Beck nicht dezidiert ausschließen. Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck warnt Beck: Wenn Ypsilanti sich tatsächlich von den Linken wählen lassen würde, wäre sie abhängig "von diesen Leuten". Und Johannes Kahrs, Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, meint: "Das wäre Wortbruch." Denn Ypsilanti hatte vor der Hessen-Wahl am 27. Jänner stets erklärt, sie wolle nicht mit den Linken kooperieren.

Sauer ist vor allem die SPD in Hamburg, wo am Sonntag Bürgerschaftswahlen stattfinden. "Extrem rücksichtslos", nennt der langjährige Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) die Debatte so kurz vor der Wahl. Bundeskanzlerin Angela Merkel nutzte die Gelegenheit bei der Schlusskundgebung von Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und forderte die Hamburger auf, für "klare Verhältnisse" zu sorgen. Die CDU wird am Sonntag laut Umfragen ihre absolute Mehrheit verlieren. Es könnte aber durch den Einzug der Linken in den Landtag - wie in Hessen - weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün reichen. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.2.2008)