Astana/Wien – Kasachstan will die höhere Nachfrage an Uran befriedigen, die weltweit aus dem geplanten Bau vieler neuer Atomkraftwerke resultiert. "Damit werden wir in den nächsten Jahren der größte Uranproduzent der Welt", sagte Malkhaz Tsotsoria, Vizepräsident des Uranproduzenten Kazatomprom vor Journalisten in Astana. Das Land sei im Besitz von rund 20 Prozent der weltweiten Reserven.

Ziel sei, die Ausbeute von zuletzt rund 6637 Tonnen im Jahr 2007 (plus 25,7 Prozent gegenüber 2006) weiter anzuheben. Schon kurzfristig wolle man das Volumen auf rund 18.000 Tonnen verdreifachen; bis 2010 sollen 15.000 Tonnen erreicht werden. "Und wenn es der Markt erlaubt, können wir auf 28.000 Tonnen jährlich erweitern." Damit werde Kasachstan bis 2010 die derzeitigen Spitzenreiter beim Uranabbau, Kanada und Australien, von den ersten beiden Plätzen verdrängen.

Das zu 100 Prozent in Staatsbesitz stehenden Unternehmen mit 22.000 Beschäftigten will rund eine Milliarde Dollar investieren, teilweise mit ausländischen Geldgebern bzw. Know-how-Jointventures, vor allem aus Frankreich, Kanada, Japan und China. Im Süden des Landes wird die Minen-Infrastruktur ausgebaut und die Anzahl der Minen von 37 auf 50 erhöht.

Noch ambitionierter ist der Plan, das Uran selbst weiter zu veredeln, langfristig bis hin zu Brennstäben. "In der Sowjetunion waren wir Teil des ganzen Zyklus", sagte der Kazatomprom-Vizechef. Jetzt gehe das Rohuran Kasachstans zur Gänze in den Export, auch, weil das Land derzeit über kein Atomkraftwerk verfügt: Nach China, Russland, Japan, Südkorea und die USA: "Insbesondere China und die USA haben ambitionierte AKW-Ausbaupläne. China will 150 AKWs bauen." Da der Uranpreis aber hohen, wie Tsotsoria meint, auf Spekulationsgeschäften beruhenden, Schwankungen unterliegt, will Kasachstan höherwertige Produkte aus dem Uran herstellen. Derzeit beruhe das Geschäft lediglich auf der "ersten kommerziellen Stufe", so Tsotsoria. Exportiert würde lediglich Uranpulver. Ziel sei, höhere Wertschöpfung im Land zu erreichen, und schrittweise weiterverarbeitete Produkte , von Uranpellets bis langfristig kompletten Brennstäben, zu exportieren. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.02.2008)