Vor einigen Tagen erhielt Leserin Karin N. auf ihrem Handy einen Anruf einer Mitarbeiterin der Bawag PSK. Die wollte Heinz N. sprechen, Karins Vater. Wieso sie dann privat bei der Tochter anrufe? - Man hätte ihr diese Nummer gegeben. Wer? - Die Bank. Was die Bank von ihrem Vater wolle? - "Es geht um seine Zukunftsvorsorge."

Ungünstiger Zeitpunkt. "Mein Vater ist seit fünfeinhalb Jahren tot." Frau: "Oh, Verzeihung." Karin: "Wieso wissen Sie das nicht? Er war ein langjähriger guter Kunde Ihrer Bank." Frau: "Oh, das tut mir leid. Ich sitze in einem Callcenter. Mir wurden die Daten durchgegeben. Das sollte natürlich nicht passieren." Karin: "Sie persönlich können ja nichts dafür. Aber Gratulation an die neue Bawag PSK!" So endete das Gespräch.

Für Karin warf es vier Fragen auf: 1.) Wieso rufen Fremde bei ihr privat an, um beruflich jemanden anderen zu verlangen? 2.) Darf es sein, dass man in seiner Privatsphäre ständig von Leuten belästigt wird, die einem sagen wollen, was man tun, wählen oder kaufen sollte? 3.) Werden die Menschen geschäftlich bald nur noch über drei Ecken telefonieren? 4.) Gewöhnen wir uns sukzessive daran, ohneeinander zu kommunizieren? (Daniel Glattauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2.2008)