Wien - "Es wird eine eingehende Untersuchung geben. Die Sicherheit ist oberstes Gebot." Diese Sätze wiederholt Patricia Strampfer, Pressesprecherin der Austrian Airlines, immer wieder, wenn man sie zum Zwischenfall vom Montagvormittag befragt. Selbst wenn man sich erkundigt, ob die Staatslinie nicht langsam beginnt, den Kauf ihrer zehn Flugzeuge vom Typ Dash 8/400 zu bedauern, da es ja nicht das erste Problem mit dem Flieger gewesen sei? "Man muss zunächst die Untersuchung abwarten."

Notlandung vorbereitet

Kern der Untersuchung wird die Frage sein, warum die Frühmaschine aus Nürnberg den Piloten vor einem Problem mit dem Fahrwerk gewarnt hat. Als der Propellerflieger zum Landeanflug auf Wien-Schwechat ansetzte, signalisierte eine Anzeige ein Problem mit dem Fahrwerk. Die sogenannte Alternativanzeige meldete dagegen kein Problem. Der Pilot startete durch, konferierte mit Technikern und bereitete die 67 Passagiere schließlich auf eine Notlandung vor. Vornübergebeugt kauerten die Fluggäste in ihren Sitzen, als die Maschine um 10.20 Uhr ohne Schwierigkeiten aufsetzte und die alarmierten Einsatzkräfte einrücken konnten.

"Wir müssen untersuchen, was das Problem war. Wenn bei einem Auto eine Anzeige fehlerhaft ist, bedeutet das ja auch nicht automatisch, dass wirklich etwas kaputt ist", versucht Strampfer zu beruhigen. Heinz Sommerbauer von der heimischen Flugsicherheitsbehörde Austro Control sekundiert: "Man sollte keine vorschnellen Urteile fällen, derartige Zwischenfälle werden ganz transparent aufgearbeitet."

Siebenter Zwischenfall

Gerade in der Kombination "Dash 8/400" und "Fahrwerk" ist diese Transparenz auch dringend geboten. Denn allein in den vergangenen zwölf Monaten ist es weltweit bereits der siebente Unfall oder spektakulärere Zwischenfall mit diesem Maschinentyp. Nicht alle sind gleich abgelaufen: Einmal hat ein abgelöster Dichtungsring das Fahrwerk behindert, ein anderes Mal ließ Korrosion das Fahrwerk brechen.

Auch die Austrian Airlines, die gemeinsam mit der skandinavischen SAS seit dem Jahr 2000 quasi die Beta-Tester der Turboprop-Maschine gewesen sind, haben schlechte Erfahrungen gemacht. Gut 50 Zwischenfälle wurden in den ersten drei Betriebsjahren registriert, die schwersten betrafen einen Triebwerksausfall im Juli 2002 und den Verlust eines Rades im Jänner 2003. Der Vorteil der für Kurz- und Mittelstrecken eingesetzten Maschine: Die niedrigen Betriebskosten und das Profitpotenzial seien mit keinem anderen Flugzeugtyp vergleichbar, lobt Hersteller Bombardier. Die Bitte um Rückruf erfüllte das Unternehmen nicht. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 26.2.2008)