Dorothea Sulzbacher leitet die OMV Future Energy Fund GmbH.

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Stefan P. Schleicher lehrt Volkswirtschaft an der Uni Graz.

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Gérard Stampfli ist Geologe an der Universität Lausanne und Berater von Shell.

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Hans Strassl ist Generaldirektor von British Petrol Österreich.

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"Die Mineralölkonzerne suchen nach jedem verbliebenen Tropfen Erdöl", stellt Gérard M. Stampfli, Professor am Institut für Geologie und Paläontologie an der Universität Lausanne, fest. Er war als Berater für Shell tätig und meint: "Der Wettbewerb wird härter." Der Geologe sagt auch, was nach dem Ende des Erdöls passiert: "Die Weltwirtschaft wird zusammenbrechen." Schon in rund 30 Jahren seien die Reserven erschöpft. Das Ölfördermaximum, "Peak Oil" genannt, sei bereits jetzt erreicht. Das heißt: Die weltweite Erdöl-Förderrate hat ihren Höhepunkt überschritten.

Selbst ein weniger pessimistischer Experte wie Ehsan Ul-Haq, Chefanalyst des internationalen Ölbrokers PVM und kein deklarierter Anhänger der "Peak Oil"-Theorie, glaubt, dass mit 2010 der Gipfel der konventionellen Ölförderung erreicht sein wird.

Wie reagieren die Erdölkonzerne auf diese Prognosen? Welche Strategien gibt es? "Wir sehen kein Ende des Öls", gibt sich etwa Ernst Hirsch, Geschäftsführer der österreichischen ExxonMobil-Gesellschaften, gelassen. Sicher sei, dass der Bedarf an Energie steigen werde. Das besagt auch der "Energy-Outlook" ins Jahr 2030 des weltgrößten privaten Erdölkonzerns. Hirsch ist zuversichtlich, dass die jährlich verbrauchten Mengen durch Neufunde ersetzt, wenn nicht sogar überkompensiert werden können.

Sollte das konventionelle Öl ausgehen, würde man eben mit dem Abbau von unkonventionellen Beständen wie Ölsanden, Ölschiefer oder schwerem Öl beginnen: Bei Preisen ab 60 Dollar pro Fass wäre das ökonomisch sinnvoll. Es gäbe aber auch schon Investitionen in die Wasserstoff-Forschung. Zu "Peak Oil" meint er: "Feine Sache, wenn man zum Beispiel ein Buch schreiben will. Das verkauft sich gut."

Dass diese Theorie unterschiedlich interpretiert werden kann, bestreitet auch Stefan P. Schleicher vom Institut für Volkswirtschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz nicht. "Es gibt auf absehbare Zeit sicher noch genug Öl – durch bessere Nutzung der bestehenden Ölfelder und durch Erschließung neuer Felder in der Tiefsee." Beides sei aber mit hohen Kosten verbunden. Er betont: "Wir sind gerade dabei, den Förderhöhepunkt für relativ billiges Öl zu überschreiten." Dieser Meinung schließt sich auch Hans Strassl, Generaldirektor von British Petrol (BP) Österreich, an. "Peak Oil aber ist noch eine ganze Weile weg."

Neue Geschäftsfelder

Schleicher jedenfalls beobachtet "Strategien zur Restrukturierung der Unternehmensprofile". Diese würden von den einzelnen Gesellschaften mit unterschiedlicher Intensität und Publizität verfolgt. BP beispielsweise hat den Slogan "beyond petrol" herausgegeben und ist mit über zehn Prozent Anteil Weltmarktführer im Solarbereich. Dies sei nicht mehr als ein weiteres Geschäftsfeld des Konzerns, wie Strassl anmerkt.

Schleicher fällt auf: "Auch die Vereinigten Arabischen Emirate machen mit Konzepten aufmerksam, die eine Entkoppelung ihres Wohlstandes vom Verkauf von fossilen Rohstoffen zum Ziel haben." Inklusive Investitionen in erneuerbare Energien. Diese will die OMV mit der Einrichtung der Future Energy Fund GmbH "langfristig in das Kerngeschäft integrieren". Das geschehe, erklärt die Geschäftsführerin der 2006 gegründeten GmbH, Dorothea Sulzbacher, nicht aus Angst vor dem Aus des Erdöls: "Unsere Aktivitäten konkurrieren nicht mit dem klassischen Geschäft." Man wolle damit die Herausforderungen von Klimawandel und Energieeffizienzdebatte annehmen und einen neuen Geschäftsbereich aufbauen. (Markus Böhm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.02.2008)