Spar-Chef Drexel: "Wir warten nur auf die Anmeldung des Deals, dann bringen wir unsere Bedenken vor."

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Gerhard Drexel erwartet, dass die EU-Kartell­behörde Rewe die Übernahme von Adeg verbietet. Mit dem Spar-Chef sprach Verena Kainrath über Macht und Preispolitik der Handelskonzerne

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STANDARD: Rewe meldet in Kürze bei der EU in Brüssel den 75-Prozent-Kauf der Adeg an. Werden Sie Einspruch erheben?

Drexel: Natürlich. Wir warten nur auf die Anmeldung des Deals. Dann werden wir unsere Bedenken in Brüssel vorbringen. Interessant ist, dass Rewe schon Anfang Dezember bekanntgab, Adeg übernehmen zu wollen. Es hieß, es sei eilig, da es Adeg schlecht gehe. Bis jetzt liegt keine Anmeldung vor, es kann also um sie nicht so schlimm bestellt sein.

STANDARD: Gibt es Auflagen für Rewe seitens der Behörden, die Sie akzeptieren würden?

Drexel: Es kann nur eine Gesamtuntersagung geben. Denn Rewe kann eine wegweisende Entscheidung der EU-Wettbewerbsbehörde nicht so einfach ignorieren. Sie erkannte schon 1999, dass Rewe marktbeherrschend ist. Sie erhielt deshalb nur 40 Prozent der Meinl-Filialen, und die EU erteilte quasi ein Verbot für weitere Akquisitionen. Jetzt tut Rewe so, als ob es diese Entscheidung nicht gibt und präsentiert sich als großer Retter der Adeg.

STANDARD: Die EU hat ähnlich hohe Marktkonzentration auch in anderen Ländern erlaubt.

Drexel: Es gibt eine schriftliche Erklärung des Europäischen Parlaments von Ende Jänner: Es fordert die EU-Kommission auf, die Marktmacht großer Supermarktketten strenger zu kontrollieren und neue Konzentration hintanzuhalten.

STANDARD: Das trifft doch auch die Spar-Gruppe in Österreich.

Drexel: Nein, nur jene Supermarktketten mit mehr als 30 Prozent Marktanteil.

STANDARD: Spar gilt als Interessent für Zielpunkt. Warum stocken Ihre Kaufverhandlungen?

Drexel: Es gibt keine Gespräche, es gibt hier nichts Neues.

STANDARD: Spar erhält die Zielpunkt-Läden, Rewe kauft Adeg. Wäre dann das Gleichgewicht nicht wiederhergestellt? In der Branche heißt es, es gebe hier eine Art Gentleman’s Agreement.

Drexel: Völliger Unsinn. Daran ist nicht das Geringste wahr. Wir haben bei Rewe und Adeg immer darauf hingewiesen, dass das mit dem geltenden Kartellrecht unvereinbar ist.

STANDARD: Man sagt Ihnen gute Kontakte zum Zielpunkt-Eigentümer, Familie Haub, nach.

Drexel: Hier wird übertrieben. Wir kennen Herrn Haub von einer Transaktion in Ungarn und haben uns bei Branchentreffen zwei-, dreimal gesehen.

STANDARD: Überlassen Sie den Diskont weiter dem Mitbewerb?

Drexel: Das ist kein Geschäftsfeld, in das ich einsteigen will.

STANDARD: Spar hat im Vorjahr in Österreich 850 neue Jobs geschaffen. Es sind aber überwiegend Teilzeitjobs. Auch bei den Lehrplätzen kämpft der Handel mit seinem schlechten Image.

Drexel: Der Anteil der Teilzeitjobs wächst, das ist der Zeitgeist, ob man will oder nicht. Spar ist gemäß unabhängiger Umfragen das beliebteste Handelsunternehmen – das gelingt nur, wenn man Mitarbeiter respektvoll behandelt. Es kommen auch die Lehrlinge gerne zu uns. Wir bilden jährlich gut 2700 aus, die Hälfte aller Lehrlinge im Lebensmittelhandel.

STANDARD: Gewerkschafter klagen, Spar und Rewe diktierten die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel. Der Markt sei eng.

Drexel: Wir haben uns stets arbeitnehmerfreundlich und im Einklang mit Beriebsräten und Arbeiterkammern verhalten.

STANDARD: Hofer hat die Milchpreise gesenkt, Rewe und Spar zogen nach. Das, obwohl sich der Markt nicht verändert hat.

Drexel: Ich will diese Preisdebatte entmystifizieren. Fakt ist, bei Agrarrohstoffen sind die Preisschwankungen derzeit so groß wie nie. Bei Milch gibt es nun auf einmal die sanfte Entwicklung nach unten, auch in Deutschland. Hätten aber Spar, Hofer und Rewe zugleich Preise gesenkt, hätte es einen Aufschrei gegeben, wäre von kartellistischen Absprachen die Rede gewesen. Wie man es macht, ist es nicht recht.

STANDARD: Die Molkereien und Landwirte wehren sich massiv.

Drexel: Wollen wir eine Marktwirtschaft oder eine Planwirtschaft? Am Ende des Tages schlagen die Preisschwankungen auf alle Stufen der Wertschöpfungskette durch. Alles andere wäre unehrlich.

STANDARD: Wie erklären Sie den Konsumenten, dass Sie für gleiche Produkte wenige Kilometer über der deutschen Grenze weniger zahlen als in Österreich?

Drexel: Bei Lebensmitteln ist der Beschaffungsmarkt stark inländisch geprägt. Unser gesamtes Fleisch etwa sowie die Milch kommen aus Österreich. Sie finden auf deutschen Flugblättern nicht zehn Prozent idente Artikel. Es gibt andere Gegebenheiten, der Preis kann also nicht der gleiche sein.

STANDARD: Was halten Sie vom Inflations-Hunderter für Bezieher niedriger Einkommen?

Drexel: Man sollte besser die Ursachen der Verteuerung bekämpfen. Das bringt mehr. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.02.2008)