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Dem Airbus-Mutterkonzern gelang durch die Entscheidung des Pentagon überraschend der Einstieg in den US-Rüstungsmarkt.

Foto: AP/JOHN DAVID MERCER
Der Entscheid des amerikanischen Verteidigungsministeriums ist nichts weniger als eine politische Sensation: Nach einem jahrelangen Bieterwettbewerb erhielt das Konsortium des US-Rüstungskonzerns Northrop Grumman und seines europäischen Partners EADS den Zuschlag für 179 Tankflugzeuge für das Militär. EADS stellt in der Hauptsache Airbus-Flugzeuge her.

Dieser für die internationale Rüstungsindustrie bahnbrechende Entscheid bedeutet, dass amerikanische Militärflugzeuge in Zukunft gut zur Hälfte von Europäern hergestellt werden - das Cockpit von Franzosen, der Rumpf von Deutschen und die Flügel von Briten. Dazu wird Northrop militärische Ausrüstung und General Electric die Motoren beisteuern. Die Tankflugzeuge des Typs KC-30 werden auf dem Airbus A330 aufbauen. Sie kosten an die 40 Milliarden Dollar und sie stellen nur die erste von drei Tranchen an Bestellungen dar.

Bestechungsskandal wirkt nach

Boeing hat die Möglichkeit, den Entscheid anzufechten. Dass der Hauptlieferant der US-Luftwaffe den Megaauftrag verlor, hat seinen tieferen Grund in einem Bestechungsskandal, der 2004 mehrere Boeing- und Pentagon-Manager hinter Gitter brachte. Seither bemüht sich das US-Verteidigungsministerium um "echte" Ausschreibungen.

Der französische EADS-Chef Louis Gallois meinte am Sonntag, Airbus habe wegen der Qualität des Flugzeugs und nicht wegen Preisdumping gewonnen. Zusammengebaut werde das Flugzeug in Mobile im US-Staat Alabama. Dort werde Airbus ein Werk mit 1300 Mitarbeitern aufbauen.

Vertrauensvolle Beziehungen

Während der französische Staatschef Nicolas Sarkozy und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel den Militärauftrag als Zeichen für die vertrauensvollen transatlantischen Beziehungen feierten, reagierten US-Politiker zum Teil konsterniert und sprechen von einem "Erdbeben" in Rezessionszeiten. Einzelne Republikaner meinten zudem, der Entscheid werde "die USA mehr als 100.000 Jobs kosten", da einzelnen Flugzeugteile in Europa hergestellt würden.

Für Airbus kommt der Auftrag aus den USA genau zum richtigen Zeitpunkt, nachdem sein Riesenflugzeug A-380 kostspielige Lieferverzögerungen erlitten hat. Das neue Werk in Alabama wird es den Europäern auch erlauben, in Dollar zu produzieren und die hohen Wechselkursverluste wegen der Euro-Stärke teilweise zu kompensieren. Deshalb baut Airbus zum Beispiel auch in China eine Fertigung. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.3.2008)