Die Bundesländersendung "Wien heute" transportiert täglich Betulichkeit. Das führt dazu, dass manche Beiträge im ORF-Kinderfernsehen der 70er-Jahre auch nicht negativ aufgefallen wären. Quasi "Am dam des" für ein Publikum, das bis 19.20 Uhr aufbleiben darf.

Das und der Umstand, dass die Moderatoren den Eindruck erwecken, sie würden zu Gebührenzahlern mit Aufnahme- und Konzentrationsdefiziten sprechen, verleiht "Wien heute" eine zart geriatrische Aura: Fernsehen als Schnabelhäferl. (Wer trotzdem patzt, kann beim "Wien heute"-Servicetelefon anrufen.)

Der Sonntagabend setzte neue Maßstäbe: Von der Geriatrie zum Friedhofsblumenstrauß. Nachdem mit betroffener Miene über die Auswirkungen von "Emma" – böser, böser Sturm! – berichtet worden ist, stellte man eine Serie vor, die "Wien heute" zusammen mit der Kronen Zeitung initiiert – die "Aktion Füreinander". Motto: Wir schauen nicht weg. Wir sind füreinander da. Schließlich ist ja gerade die Krone berühmt als Fackelträgerin der Philanthropie – solange die Hautfarbe stimmt. Ansonsten menschelt sie hauptsächlich in der Tierecke. Die "Aktion Füreinander" würdigt "Helden des Alltags", die selbstlos und ohne Öffentlichkeit anderen Gutes tun: "Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, Zivilcourage" zählen.

Befremdlich erschien dann aber die Tatsache, dass der vorgestellte Alltagsheld, der einer Witwe in schweren Zeiten beistand, selbst schon vor Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Im Vergleich zu dem gezeigten, hoppertatschig inszenierten "Totenkult", in dem der derart "Gewürdigte" nur auf schlechten Familienfotos gezeigt wurde, erscheint Elisabeth T. Spiras Werk nachgerade als Qualitätsfernsehen. (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 4.3.2008)