Linz - Mit der Einigung zwischen ÖVP und Grünen in der Grazer Stadtregierung ist nun österreichweit die dritte schwarz-grüne Politehe in einer größeren Gebietskörperschaft besiegelt. Die grüne Pionierarbeit wurde aber in Oberösterreich geleistet. Beim Landtagswahlkampf 2003 profitierten die Grünen vom Dauerstreit zwischen Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) und Oberösterreichs SPÖ-Landeschef Erich Haider.

Zwischenrufe der Basis

Nach 50 Jahren rot-schwarzer Dauerehe bat die ÖVP die Grünen mit Rudi Anschober an der Spitze an den Verhandlungstisch. Anschober präsentierte kurz darauf stolz ein "Arbeitsübereinkommen mit deutlich grüner Handschrift", doch hinter den Kulissen brodelte es gewaltig. Große Teile der grünen Basis wollten die Entscheidung nicht mittragen, der Start des Projekts "Neuland für Österreich" (Pühringer) wurde für die Grünen zu einer innerparteilichen Zerreißprobe. Und auf Linie hat Anschober die Kritiker in den eigenen Reihen bis heute nicht gebracht. Zuletzt belegte dies der - letztlich geplatzte - Börsengang der Energie AG. Die grüne Spitze stimmte mit der ÖVP, obwohl die Basis-Kritik massiv war. Zusammengefasst präsentiert sich die "grüne Handschrift" heute ziemlich blass. Die ÖVP scheint großteils den Ton anzugeben, grüne Eigenständigkeit wird mitunter bei Umweltthemen noch sichtbar.

Vor dem Pakt in Graz war die Stadtregierung von Bregenz die zweitgrößte schwarz-grüne Koalition. Bürgermeister Markus Linhart (ÖVP) und Vizebürgermeister Gernot Kiermayr (Grüne) lenken seit 2005 die Geschicke in Bregenz. Für die Grazer hat Kiermayr hat einen guten Rat: Koalition bedeute zwar mittragen, "aber nicht alles", sagt Kiermayr. Da kann es dann vorkommen, dass der Bürgermeister zum Spatenstich der zweiten Pfändertunnelröhre geht und sein Vize zur Demo dagegen. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2008)