Bild nicht mehr verfügbar.

Abtransport von Lanzinger per Helikopter.

Foto: APA/EPA/Falch

Wien - Der Unfall und die fatalen Folgen des Sturzes von Matthias Lanzinger haben im alpinen Ski-Weltcup die Sicherheits-Diskussion wieder angefacht. Mehr als 30 Rennläufer/innen haben sich im Verlaufe dieser Saison bereits und zum Teil schwer verletzt. Und das, obwohl die Saison ganz im Zeichen einer Sicherheitsinitiative des Internationalen Skiverbandes FIS steht, deretwegen die Industrie sogar völlig neue Rennski produzieren musste.

Weniger Taillierung und niedrigere Standhöhen waren das Rezept, mit dem man zur Unfallvermeidung des natürgemäß höchst gefährlichen Alpinrennsportes beitragen wollte. Trotzdem hatte es wie üblich schon im Sommertraining und in der unmittelbaren Saisonvorbereitung schwere Stürze gegeben. Auch Lanzinger selbst hatte sich im November die Hand gebrochen und konnte dadurch erst verspätet in die Saison starten.

Lange Verletzenliste

Prominentestes Sturzopfer dieses Winters ist der norwegische Weltcup-Titelverteidiger Aksel Svindal, der nach nur vier Rennen schon Ende November im Abfahrtstraining in Beaver Creek/USA so schwer stürzte, dass er wegen inneren Verletzungen für die gesamte Saison ausfiel. Live und vor den Augen tausender Zuschauer stürzten auch die US-Rennläuferin Resi Stiegler (Unterschenkel- und Handbruch in Lienz) und der US-Abfahrter Scott Macartney (Schädel-Hirn-Trauma/Kitzbühel) schwer.

Die Frage nach der Gefährlichkeit des alpinen Skirennsports stellt sich seit jeher. Zwar ist der letzte tödliche Rennunfall (Ulrike Maier 1994) schon länger her, die Gefahren lauern aber auch - und oft vielmehr, weil dort die Sicherheitsvorkehrungen nie so gut sind wie bei einem Rennen - im Training. Das bewies auch der tödliche Trainings-Unfall der Französin Regine Cavagnoud 2001. Für Läufer wie den Schweizer Silvano Beltrametti und den Schweden Tomas Fögdö endete der Skirennsport im Rollstuhl.

Sicherheit durch neue Ski?

Der Internationale Skiverband (FIS) hat zusammen mit dem Oslo Sports Trauma Research Centre ein Verletzungsüberwachungssystem entwickeln, um Verletzungen in den verschiedenen Ski-Disziplinen im Spitzensport-Bereich zu reduzieren. Das "Injury Surveillance System", kurz ISS, ist darauf ausgerichtet, die Anzahl der Verletzungen von Spitzensportlern in den FIS-Disziplinen zu reduzieren. Eine Folge der Tatsache, dass viele Alpinläufer aufgrund der extremen Carving-Kräfte schwere Knieverletzungen erlitten haben, sind die seit heuer verwendeten, neuen Ski. Ein erkennbarer Vorteil wird von vielen Rennfahrern aber bezweifelt.

Im Fall von Lanzinger muss freilich von einem vorausgehenden Fahrfehler des Österreichers ausgegangen werden. Der 27-jährige Salzburger sprang direkt in ein Tor und kam danach zu Sturz. Darauf beruft sich indirekt auch der für die Herrenrennen verantwortliche FIS-Renndirektor Günter Hujara.

Man muss sich jeden Unfall getrennt ansehen"

"Es gibt verschiedene Disziplinen mit verschiedenen Sturz-Ursachen und verschiedenen Folgen. Man muss sich jeden Unfall getrennt ansehen, das ist nicht oberflächlich zu beantworten", sagte der Deutsche bezogen auf die Frage, ob es nicht zu viele Verletzte in dieser Saison gegeben habe. Diese seien natürlich nicht wegzureden und wenn es tatsächlich klare Ursachen gebe, sei er der erste, der sich für eine Verbesserung der Situation einsetzen würde, betonte Hujara.

Zum sehr lange dauernden Abtransport Lanzingers am Sonntag in Kvitfjell stellte Hujara fest, dass die Verletzungen des Sportlers so schwer gewesen seien, dass dieser laut Ärzten zunächst noch am Hang stabilisiert habe werden müssen. Laut Hujara habe man dennoch zudem alles bereit gemacht, um auch den Helikopter zum verletzten Sportler kommen zu lassen. Allerdings sei dann ein Abtransport mit dem Akja bereits sinnvoller gewesen, so Hujara.

Hubschrauber sehr wohl vorgeschrieben

Zur Frage, dass dann offensichtlich kein hochmoderner Rettungshubschrauber für den Abtransport Lanzingers aus dem Zielraum bereitstand, stellte Hujara fest. "Prinzipiell ist bei jedem Weltcuprennen ein Hubschrauber verpflichtend vorgeschrieben. Die Beschaffenheit des Helikopters kann aber nur das Rettungsteam beschreiben." Insgesamt seien der Rennarzt, der Rettungsdienst und das nächstgelegenen Krankenhaus in der so genannten Inspektions-Vereinbarung klar geregelt. "Alle wissen also Bescheid, was nach einem Unfall zu passieren hat. Wir sind doch nicht so dumm, und schreiben keinen Hubschrauber vor", betonte Hujara

Natürlich sei zu diskutieren, ob der Einsatz eines Medicopters etwas gebracht hätte. "Ich kann jetzt aber nichts sagen, was vielleicht irgendjemand schadet. Man muss sich anschauen, ob das etwas verändert hätte", betonte Hujara. Die FIS werde der Sache aber ebenfalls genau nachgehen. Hujara: "Man darf nur nicht Sachen vermischen." (APA)