Graz - ÖVP und Grüne schwärmen nach dem zu Wochenbeginn paktierten Koalitionsvertrag schon von "historischen Dimensionen". Der Politologe Peter Filzmaier sieht den Grazer Regierungspakt hingegen relativ nüchtern: "Der Tabubruch ist schon in Oberösterreich passiert. Und nach den gescheiterten Koalitionsverhandlungen im Bund ist Schwarz-Grün längst Normalität. Graz ist eigentlich nur ein weiterer Tropfen auf dem nicht mehr heißen Stein."

Obzwar die Grünen auch in Graz schon als "traditionelle Partei" gesehen werden, hätten sie dennoch "genügend Innovationskraft", glaubt Filzmaier. Sie würden durchaus neue Aspekte als Regierungspartei einbringen. Filzmaier im Standard-Gespräch: "Schwierig wird es für die Grünen, wenn die Mühen der Ebenen beginnen, beim Management der Verwaltung." Dann also, wenn die Politik durch die Mühlen der Bürokratie muss.

Dass Bürgermeister Siegfried Nagl und seine Partei dermaßen vehement diese schwarz-grüne Koalition forciert hatten, liege natürlich am parteitaktischen Kalkül, Schwarz-Grün als Alternative aufzubauen. Filzmaier: "Es gibt immer mehr Leute, die sich Rot-Grün vorstellen können und es gibt daher das strategische Interesse der ÖVP, auch die Machbarkeit von Schwarz-Grün zu betonen."

Dass sich ÖVP und Grüne in Graz relativ rasch fanden, sei nachvollziehbar, sagt der Politologe. Schwarz-Grün sei zumindest bei Verhandlungen günstiger als Rot-Grün. ÖVP und Grüne ergänzen sich, wie beim Reißverschlussprinzip. Filzmaier: "Mit der SPÖ ist das schwieriger, weil sich hier oft die Zacken treffen. Grüne und ÖVP überschneiden sich thematisch weniger als das bei der SPÖ der Fall ist. Das kann bei Verhandlungen nützen." (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2008)