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Teilhardina magnoliana

Foto: REUTERS/Mark A. Klingler/Carnegie Museum of Natural History
Pittsburgh - Primaten sind eine relativ alte Ordnung der Säugetiere - ihre Ursprünge dürften bis ins Dinosaurier-Zeitalter zurückgehen. Zum Zeitpunkt der explosionsartigen Auffächerung der Säugetier-Spezies vor 55 Millionen Jahren im Eozän hatten sich die beiden heutigen Unterordnungen der Feuchtnasenaffen (früher "Halbaffen" genannt) und Trockennasenaffen (also der "Echten Affen", darunter auch die Menschenaffen und Menschen) bereits voneinander getrennt.

Bis auf den Menschen sind Primaten heute fast ausschließlich auf die tropischen und subtropischen Regionen Asiens, Afrikas und Südamerikas beschränkt. Davor liegt jedoch eine wechselvolle Geschichte des Verbreitens und regionalen Wiederaussterbens. Ein wichtiges Puzzlestück aus der Stammesgeschichte der Primaten fanden Forscher vor kurzem in Mississippi: Die mäusekleine Trockennasenaffen-Spezies Teilhardina magnoliana lebte vor 55,8 Milionen Jahren, was sie zum ältesten derartigen Fund in Nordamerika (und Europa) macht. Und sie gibt Rätsel auf, was die Richtung der globalen Primaten-Ausbreitung anbetrifft.

Wege übers Meer

Die meisten Forscher gingen bisher davon aus, dass sich die Primaten von ihrem Ursprung im asiatischen Raum über Europa und damals noch vorhandene Landbrücken schließlich auch nach Nordamerika ausbreiteten. Die jüngsten Teilhardina-Funde passen da nicht ganz ins Bild: Sie sind älter und "primitiver" als ähnliche Funde in Europa. Christopher Beard vom Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh spekuliert in seiner in den "Proceedings" der National Academy of Sciences of the USA ("PNAS") veröffentlichten Studie, dass die Ur-Primaten von Asien aus zunächst über die Beringstraße nach Nordamerika wanderten, um schließlich über eine andere Landbrücke via das heutige Grönland und Schottland auch nach Europa zu gelangen.

Möglich war den winzigen Baumbewohnern die große Wanderung durch ein Temperaturmaximum zu Beginn des Eozäns, wodurch selbst heute in kalten Klimazonen liegende Regionen von feuchtheißen Wäldern bedeckt waren - ganz der Lebensraum, den Primaten heute noch bevorzugen.

Die zweite Welle

Eine ganz andere Wanderung absolvierten die Primaten wesentlich später: Die heute in Südamerika lebenden Neuweltaffen - Trockennasenaffen wie ihre Verwandten in Afrika und Asien - konnten sich nicht direkt aus im Eozän lebenden Spezies der Nordhalbkugel wie Teilhardina entwickeln: Südamerika war bis vor drei (nach neueren Erkenntnissen vielleicht auch fünf) Millionen Jahren von Nordamerika getrennt. Die ältesten Primatenfunde auf südamerikanischem Boden reichen aber etwa 30 Millionen Jahre zurück.

Wann und wie die Primaten also nach Südamerika gelangten, ist noch nicht geklärt; Paläontologen vermuten, dass sie frühestens vor etwa 40 Millionen Jahren den damals noch nicht so breiten Atlantik zwischen Afrika und Südamerika auf Inseln schwimmender Vegetation überqueren konnten. (red)