Thomas Saliger, Konzernsprecher der Lutz-Gruppe: "Ein Küchenblock kostet heute so viel wie vor 20 Jahren."

Foto: Standard/Regine Hendrich
XXXLutz hat 2007 gut verdient. Mit Thomas Saliger, dem Chef des Möbelriesen, sprach Verena Kainrath über Marktmacht und neue Akquisitionen, Deals mit Nomaden und die teure Hofreitschule.

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STANDARD: Lutz und Kika dominieren mehr als die Hälfte des Möbelgeschäfts in Österreich. Steigt ihnen die Wettbewerbsbehörde nicht auf die Zehen?

Saliger: Wir waren lange Hecht im Karpfenteich und sind über die aggressive Preispolitik zur Nummer eins geworden. Auf Europa umgelegt, ist der Möbelhandel aber fern von jeder Konzentration, wir haben hier rund vier Prozent Marktanteil, das ist fast gar nichts.

STANDARD: In Österreich hingegen entsteht bei hoher Marktkonzentration häufig der Verdacht auf Preisabsprachen.

Saliger: Es gibt gesunden Wettbewerb bei Möbeln. Es ist doch schön, wenn sich drei Große – Lutz, Kika und Ikea – matchen. Das ist für Kunden besser als ein Match unter 15 Kleinen.

STANDARD: Die Lieferanten sehen das anders. Wer weder bei Lutz noch bei Kika gelistet ist, hat ein ernstes Problem.

Saliger: Unser Beschaffungsmarkt ist ein europäischer. Es gibt zudem auch eine Konzentration der Industrie, und starke Marken wie Dan haben vor uns sicher keine Angst. Es ist unsere Pflicht, hart zu verhandeln. Aber die Industrie ist mit uns immer sehr gut gefahren. Wir haben etwa für viele den deutschen Markt geöffnet.

STANDARD: Rohstoffkosten steigen. Werden dadurch auch Möbel und Einrichtung teurer?

Saliger: Ein Küchenblock kostet heute so viel wie vor 20 Jahren. Wir haben unsere Kosten laufend optimiert und versuchen, die Einkaufspreise stabil zu halten. Wir konnten bisher alle Mehrkosten abfangen. Dabei hilft auch unsere Größe.

STANDARD: Lutz ist in Deutschland massiv gewachsen. Jetzt werden bis zu 400 Mio. Euro in die Expansion in Osteuropa investiert. In der Branche wird gemunkelt, der Konzern werde von Finanzinvestoren unterstützt.

Saliger: Das stimmt nicht. Wir sind ein Familienbetrieb und keine Kapitalgesellschaft. Wir setzen 2,3 Mrd. Euro um, und da gibt es ordentlichen Cash_flow. Der Gewinn wird in der Firma belassen. Wir finanzieren alles mit dem Eigenkapital und Krediten. Geld ist die eine Geschichte bei Expansion, die größere Kunst ist es aber, die Manpower und nötigen Strukturen zu schaffen. Was die Gerüchte betrifft: Große Konzerne umgibt immer eine gewisse Mystik. Schauen Sie, was alles über Ikea spekuliert wird.

STANDARD: Ein zweites Gerücht: Es heißt, Lutz bemühe sich um eine 300 Mio. Euro Umsatz große Möbelkette in Frankreich.

Saliger: Es gibt bei jeder Übernahme in Europa Spekulationen, dass wir dabei sind. Unsere Konzepte können ja in jedem Land bestehen, da könnten wir genauso gut über Norwegen reden. Unser klarer Fokus ist aber Deutschland und Osteuropa. Wir investieren in Deutschland heuer und 2009 noch einmal 100 Mio. Euro.

STANDARD: Kika expandiert mit Franchisepartnern in Russland und Saudi-Arabien. Könnte Sie das nicht auch reizen?

Saliger: Es sind schöne Schlagzeilen – aber Franchising ist eine halberte Geschichte. Das, was wir angehen, wollen wir selbst in der Hand haben.

STANDARD:Ihr Konzern hat regionale Einrichtungshäuser gekauft. Wann tritt Lutz unter einer Marke in Deutschland auf?

Saliger: Die Selbstständigkeit der Marken bleibt, aber ab Juni wird es erstmals eine Verbindung und eine gemeinsame Kampagne geben.

STANDARD: Im Osten expandiert Lutz mit Möbelix. Wäre es nicht logisch, mit den Marken Mömax und Lutz nachzuziehen?

Saliger: Das kann passieren. Zuerst setzen wir aber auf den Diskont. Das Konzept funktioniert: In Budweis etwa haben wir in den ersten paar Tagen 60.000 Bettwäschen verkauft.

STANDARD: Lutz verdient prächtig. In der Bilanz 2007 weist die XXXLutz GmbH für die Monate April bis September 33,6 Mio. Euro Gewinn und eine Eigenkapitalquote von 21,6 Prozent aus. Ergebnis und Umsatz sind über der Erwartung gestiegen. Lutz hat sich lange gewehrt, Bilanzen offenzulegen. Warum geizen Sie mit Zahlen?

Saliger: Wir halten uns da wie viele andere sehr bedeckt. Wer uns kennt, weiß, dass wir ordentliche Geschäfte machen.

STANDARD: Lutz hat laut Lagebericht neue Einkaufsquellen in Asien erschlossen. Kommen die Möbel bald aus China?

Saliger: Möbel spielen eine geringe Rolle, es geht um Fachsortiment, Dekoration. Früher haben das Zwischenhändler erledigt, jetzt sind wir groß genug, um den direkten Weg zu gehen. Bei Orientteppichen geht das etwa so weit, dass wir schon bei Nomaden kaufen. Standard: Kurz zum Fußball: Wird es eine EM-Couch geben? Saliger: Nein. Die EURO ist ein tolles Sportereignis. Aber für uns hat sie wenig Bedeutung.

STANDARD: Wie lang bleibt uns Familie Putz noch erhalten?

Saliger: Es gibt kein Ausstiegsszenario. Oma Putz hat künftig mehr sitzende oder liegende Rollen. Beim jüngsten Spot auf dem Lipizzaner wird sie zum Teil gedoubelt. Das ist mit 87 Jahren einfach zu anstrengend. Wir haben das übrigens in Tschechien gedreht. Wir wollten in die Hofreitschule – aber das war schlicht zu teuer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.03.2008)