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Die Formula Student Teams befahren berühmte europäische Rennstrecken wie Silverstone oder Hockenheim. Ein italienischer Bewerb findet auf der Ferrari-Teststrecke in Fiorano statt.

Foto: Reuters/Grimm

Wien/Graz - Dass Rennfahrer am Hockenheimring zelten, kommt in der Regel nicht vor.

Dennoch füllt sich der Campingplatz an der Formel-1-Strecke einmal jährlich mit hunderten Technikern und Fahrern aus aller Welt. Ein Hotelzimmer können oder wollen sich die meisten nicht leisten - es sind allesamt Studierende, Teilnehmer der Formula Student Germany.

Gegründet wurde der Wettbewerb für Jungingenieure im Jahr 1981 in den USA. Das Ziel: für Studierende die gesamte Fertigung eines Rennautos, vom ersten Entwurf bis zur technischen Umsetzung, erlebbar zu machen.

Experten aller Fächer ...

Mittlerweile gibt es auch in Italien, England und Deutschland Ableger der amerikanischen Veranstaltung. Oft nehmen die Racing Teams mit ihrem Boliden an mehreren Rennen pro Saison teil - "das alles ist ziemlich kostspielig, deswegen sind wir auf Sponsoren angewiesen", erklärt Michael Schwaiger, Leiter des Teams der TU Wien. Manche Sponsoren - meist aus der Automobilbranche - helfen nicht nur finanziell, sondern auch durch die Fertigung von Einzelteilen.

Zu tun gibt es in einem Formula Student Team für viele etwas. Im Team der Technischen Uni Wien, erst 2006 gegründet, arbeiten Studierende der Elektrotechnik ebenso wie Maschinenbauer und angehende Wirtschaftsingenieure an ihrem Boliden. Für die Karosserie werden "Industrial Design"-Studierende von der Angewandten hinzugezogen, um ein ansprechendes Marketingkonzept und die Kostenaufstellung kümmern sich Betriebswirte der Wirtschaftsuniversität.

Der Grund für diese Vielfalt: In der Formula Student zählt viel mehr als die bloße Schnelligkeit der Autos. Die Teams müssen auf der "statischen" Ebene (Konstruktion, Business Plan und Marketing) ebenso überzeugen wie auf der "dynamischen" (Beschleunigung, Kurvenstabilität, Treibstoffverbrauch). Da beim Bewerb von der Annahme ausgegangen wird, es solle ein Rennauto für potenzielle Kunden entworfen werden, spielen Marketingpräsentation und Kostenplan eine wichtige Rolle in der Punktevergabe.

Seit 2004 nehmen mit TU Graz Racing und FH Joanneum zwei Teams österreichischer Hochschulen teil, 2008 wird mit dem Rennwagen der TU Wien ein dritter Bolide aus heimischen Hallen auf die Strecke geschickt.

Die beiden Grazer Teams konnten bereits mit Platzierungen an der Spitze punkten. Das Team der TU Graz hat sich in den letzten Jahren im europäischen Spitzenfeld etabliert. Daniela Jud zieht Bilanz: "2006 haben wir in Deutschland gewonnen und waren Zweite in England und Italien. In England haben wir dafür noch acht von zehn möglichen Awards gewonnen", also Zusatz-Preise wie "Beste Website", "Bester Einsatz von Verbundstoffen" oder "Bester Antriebszug", die von Sponsoren aus der Automobilindustrie gestiftet werden.

... ohne Zeit zum Studieren

Das Preisgeld für das Siegerteam beträgt zwar "nur" 1000 Euro, doch das Motto lautet ohnehin "Dabei sein ist alles". "Allein dass man mitgemacht hat, zeigt schon das Engagement der jungen Leute. Und selbst wenn man nicht gewinnt - man lernt unheimlich viel dabei", sagt Sven Renkel, Sprecher des Veranstalters der Formula Student Germany. Mit einem Nachteil haben die Teilnehmer dennoch zu kämpfen: dem enormen Zeitaufwand.

"Freizeit war ein rares Gut", erzählt Bernd Raser. Der FH-Absolvent des Lehrgangs Fahrzeugtechnik blickt auf zwei erfolgreiche Saisonen bei FH Joanneum Racing zurück. "Das Studium läuft dann nebenbei mit. Man beginnt im 4. Semester und hat sämtliche Prüfungen und Lehrveranstaltungen der FH mit zu erledigen. Vor und nach den Vorlesungen steht man in der Box und arbeitet für das Team."

Für manche Mitglieder des Teams der TU Wien geht sich reguläres Studieren nicht mehr aus: "Das Kernteam besteht aus einigen Leuten, die weitaus mehr als 40 Stunden pro Woche reinstecken", beschreibt Schwaiger, "bei vielen Kollegen ist das Studium zurzeit auf Eis gelegt." Anrechnen lassen kann man sich seinen Einsatz schließlich nicht.

Dennoch bringt das Engagement mehr als nur die Freude, sein theoretisches Studienwissen auch einmal praktisch anwenden zu können. "Es hat sich in den letzten Monaten gezeigt, dass der Kontakt zu den Firmen, die bei uns als Sponsoren auftreten, sehr gut ist." Zukünftige Diplomarbeiten und Anstellungen seien nicht ausgeschlossen. (Roman Buchta, Romana Riegler, DER STANDARD-Printausgabe, 4. März 2008)