Straßburg - Nach fast neun Jahren Isolationshaft in der Türkei sollten dem ehemaligen Chef der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Abdullah Öcalan nach Auffassung des Europarates schleunigst menschliche Kontakte erlaubt werden. Andernfalls drohe die Gefahr, dass sich sein angeschlagener Geisteszustand weiter verschlechtere, hieß es in einem Bericht des Antifolterkomitees des Europarates vom Donnerstag. Experten des Ausschusses hatten Öcalan, der vom türkischen Geheimdienst aus Kenia entführt und von einem Staatssicherheitsgericht zum Tode verurteilt worden war, im Mai vergangenen Jahres auf der Gefangeneninsel Imrali im Marmarameer besuchen können.

Der PKK-Führer hatte 1999 den bewaffneten Kampf gegen Ankara für beendet erklärt. Sein Todesurteil wurde nach der Abschaffung der Todesstrafe in lebenslange Haft umgewandelt. Mitte 2004 kündigte die PKK den Waffenstillstand jedoch auf. Die "geistige Gesundheit" des in Isolationshaft gehaltenen Kurdenführers habe sich seit früheren Besuchen "deutlich verschlechtert", stellte der Ausschuss in Strassburg fest. Die Türkei solle seine Lage "vollständig neu überprüfen" und ihn an einen Ort verlegen, "an dem er Kontakt zu Mithäftlingen haben könnte".

Vorwürfen von Öcalans Verwandten, der Kurdenführer sei vergiftet worden, widersprach der Europarats-Ausschuss. Die erhöhten Schwermetallwerte, die Untersuchungen bei ihm ergeben hätten, seien vermutlich auf seine Umgebung und die Lage des Hochsicherheitsgefängnisses im Meer zurückzuführen, hieß es. (APA/dpa)