Wien - Zusätzlich zum Vergabestreit - das Bundesvergabeamt (BVA) hatte am Montag den ÖBB-Wettbewerb für die BahnhofCity beim künftigen Hauptbahnhof für ungültig erklärt, da dieser nicht EU-weit ausgeschrieben wurde - steht dem künftigen Wiener Hauptbahnhof nun auch nun auch noch eine Weltkulturerbe-Debatte ins Haus.

Stein des Anstoßes ist das geplante 100-Meter-Hochhaus der ÖBB am Südtiroler Platz, unweit des geschützten Schlosses Belvedere. Wie die Tageszeitung "Die Presse" unter Berufung auf Michael Petzet, Präsident von Icomos International, berichtet, will der UNESCO-Denkmalbeirat Icomos deshalb Wien bei der nächsten Tagung des Welterbekomitees der UNESCO im Juli in Kanada auf die Tagesordnung und dann auf die Liste "Heritage at Risk" setzen. Die nächste Stufe wäre die "List of World Heritage in Danger", was die Vorstufe zur Aberkennung des Weltkulturerbe-Prädikats sein kann.

Gelassen zeigte man sich auf Anfrage im Büro des zuständigen Stadtrates Rudolf Schicker: "Das ist für uns nicht wirklich vorstellbar." Die gesamte Erstellung des Masterplans für das Hauptbahnhof-Gelände sei in enger Abstimmung mit der UNESCO und Icomos erstellt worden, wo man auch die letztgültigen Pläne kenne. Offensichtlich wolle hier jemand alte Gerüchte neu aufwärmen, vermutet man im Stadtratsbüro.

Pufferzonendebatte

Petzet gibt sich jedenfalls über Wien empört, und zwar nicht nur über das Hauptbahnhof-Hochhaus, sondern auch über den geplanten Bau auf den Meidlinger Komet-Gründen, unweit von Schloss Schönbrunn. "Es kommt keiner auf die Idee, beim Schloss Versailles ein Hochhaus hinzustellen. Nur in Wien wäre das möglich", so der streitbare Denkmalschützer.

Die Wiener Innenstadt und Schloss Belvedere stehen seit 2001 auf der Welterbeliste der UNESCO, Schloss und Schlosspark Schönbrunn seit 1996. Die geplanten Bauten am Wiener Hauptbahnhof sind - durch den Gürtel davon getrennt - südlich des Belvederes geplant, und zwar die höchsten davon am weitesten vom Schlosspark entfernt. Sie befinden sich sowohl außerhalb der Kern- als auch der Pufferzone des Welterbes - im Gegensatz zu den letztlich gescheiterten Wien-Mitte-Hochhäusern, die im Pufferbereich gestanden wären. (APA)