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Andrea Ypsilanti konnte die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger nicht umstimmen und verzichtet auf die Kandidatur

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Berühmt für einen Tag: Die Darmstädter Abgeordnete Metzger machte Ypsilantis Traum zunichte.

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Zurück an den Start in Hessen: Nachdem sich eine SPD-Abgeordnete gegen sie stellte, gibt Parteichefin Andrea Ypsilanti ihren Plan für das erste rot-rot-grüne West-Bündnis auf.

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"Wir haben eine neue Lage." Mit diesen nüchternen Worten beschrieb Ypsilanti am Freitag ihr persönliches Scheitern. Ihr Plan, sich am 5. April bei der konstituierenden Sitzung des Landtags von SPD, Grünen und Linkspartei zur ersten Ministerpräsidentin von Hessen wählen zu lassen, ist Makulatur, weil die hessische SPD-Abgeordnete Dagmar Metzger sich weigert, Ypsilanti zu wählen.

Metzger, eine gelernte Bankkauffrau aus Darmstadt, kann sich überhaupt keine Zusammenarbeit mit der Linkspartei vorstellen - weder, dass die Linken Ypsilanti zur Ministerpräsidentin wählen, noch, dass sie das von Ypsilanti angestrebte rot-grüne Minderheitenbündnis dann tolerieren. Außerdem verweist sie darauf, dass Ypsilanti vor der Wahl am 27. Jänner stets erklärt hatte, sich nach der Wahl niemals mit der Linkspartei einlassen zu wollen. "Man ist einem Wähler verpflichtet. Was vor der Wahl versprochen wurde, muss danach gehalten werden", erklärte Metzger am Freitag.

Der Linkspartei näher zu rücken, kommt für Metzger aus persönlichen Gründen nicht in Frage. Sie ist in West-Berlin aufgewachsen und erlebte in der eigenen Familie die Trennung durch den von der SED initiierten Mauerbau: "Mein Vater hat seine Mutter im Osten lassen müssen."

Dies alles hat Metzger Ypsilanti in einem Gespräch klar gemacht, daraufhin entschied die SPD-Chefin, das rot-rot-grüne Experiment abzublasen. Denn für die Wahl zur Ministerpräsidentin braucht Ypsilanti 56 Stimmen. SPD, Grüne und Linkspartei haben zusammen 57. Abgesehen von Metzger wackelt eine weitere Stimme: Ein SPD-Abgeordneter ist so schwer erkrankt, dass sein Votum am 5. April fraglich ist.

Metzgers Widerstand ist Ypsilanti offenbar zu spät aufgefallen: Bei einer Fraktionssitzung in der Vorwoche stellte sich niemand offen gegen Ypsilantis Kurs. Metzger allerdings war zu diesem Zeitpunkt auf Urlaub in der Schweiz - weshalb nun in der hessischen SPD gerätselt wird, ob die Fraktionssitzung absichtlich zu diesem Zeitpunkt angesetzt war.

An Rücktritt denkt Ypsilanti nicht: "Man muss nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn ein Weg verbaut ist." Sie stellt sich jetzt darauf ein, ihre Arbeit als Oppositionschefin weiter zu machen, und will sich wechselnde Mehrheiten suchen, um Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in die Bredouille zu bringen. Er bleibt nun auch nach dem 5. April geschäftsführend im Amt.

Koch trat am Nachmittag sichtlich zufrieden vor die Presse und erklärte: "Ich bleibe Ministerpräsident, weil Andrea Ypsilanti nicht in der Lage ist, eine Mehrheit zu organisieren." Er will nun erneut eine "Jamaika-Koalition" aus CDU, FDP und Grünen versuchen.

SPD-General Hubertus Heil zollte Ypsilanti für ihren "konsequenten Schritt" Respekt. SPD-Chef Kurt Beck will sich am Montag äußern. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.3.2008)